Claudia Roth hält Boykott russischer Kultur für falsch »Ich lass mir doch den Tschechow nicht von Putin wegnehmen«

Deutschlands Kulturstaatsministerin spricht von einer großen Verunsicherung darüber, wie mit russischer Kultur umzugehen sei. Dabei seien es doch gerade die Künstler, »die versuchen, die letzten Freiräume aufrechtzuerhalten«.
Claudia Roth: »Was glauben Sie, was das heißt, wenn ein grüner Wirtschafts- und Klimaminister nach Katar fahren muss, um einen Vertrag über Gaslieferungen auszuhandeln, bis wir unabhängig werden?«

Claudia Roth: »Was glauben Sie, was das heißt, wenn ein grüner Wirtschafts- und Klimaminister nach Katar fahren muss, um einen Vertrag über Gaslieferungen auszuhandeln, bis wir unabhängig werden?«

Foto: ADAM BERRY / AFP

Kulturstaatsministerin Claudia Roth plädiert trotz Russlands Angriff auf die Ukraine für einen offenen Umgang mit russischer Kultur. In einem Interview  mit der »Augsburger Allgemeinen« sagte die Grünenpolitikerin, ein Boykott sei deshalb falsch, weil es oft gerade die Künstlerinnen und Künstler seien, »die versuchen, die letzten Freiräume aufrechtzuerhalten«.

Zudem sei die russische Musik und Literatur großartig. Mit Blick auf den bekannten russischen Dramatiker Anton Tschechow (1860-1904) sagte die Kulturstaatsministerin: »Ich lass mir doch den Tschechow nicht von Putin wegnehmen.«

Es gebe aktuell aber eine große Verunsicherung darüber, wie mit russischer Kultur umzugehen sei. Ein Bürgermeister in Nordrhein-Westfalen habe beispielsweise vor Kurzem einem Jugendorchester untersagt, Tschaikowsky zu spielen. Die Entscheidung sei allerdings nach einer öffentlichen Diskussion zurückgenommen worden, sagte Roth. »Aber die Debatte tobt natürlich.«

Roth sprach in dem Interview auch von den aktuellen Herausforderungen für Politiker ihrer Partei. »Was glauben Sie, was das heißt, wenn ein grüner Wirtschafts- und Klimaminister nach Katar fahren muss, um einen Vertrag über Gaslieferungen auszuhandeln, bis wir unabhängig werden?«, fragte Roth.

Aufgrund der Kriegspropaganda käme unabhängigen Medien eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund von Desinformation, Fake und Lüge verlören die Menschen das Vertrauen in Informationen. »Umso mehr sollten wir uns bewusst sein, was unsere Demokratie reich macht. Da gehört die vierte Säule der Demokratie dazu, die unabhängigen Medien. Wir sind dabei, das zu stärken. Wir müssen alles dafür tun, dass die Demokratie nicht geschwächt wird.«

svs
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