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Gestorben Claus Seibel, 85

aus DER SPIEGEL 10/2022
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ZDF

»Wer Nachrichtenredakteur sein will«, sagte er einmal, »der muss bereit sein zu dienen, sonst funktioniert das nicht.« Claus Seibel diente 34 Jahre lang im deutschen Fernsehen, von 1971 bis 2005. Als er seine erste »heute«-Sendung moderierte, war Willy Brandt noch Kanzler, bei seiner letzten Sendung regierte Gerhard Schröder. Geboren in Gießen, hatte Seibel zunächst im benachbarten Mar­burg Germanistik und Geschichte studiert, später in Berlin Publizistik und Theaterwissenschaften. Als Journalist war er ein Gewächs des Hessischen Rundfunks, wo er den Beruf von der Pike auf erlernte – vom Volontär bis zum Sendeleiter. 1970 bewarb er sich beim ZDF, wo er sich gegen 370 Mitbewerber durchsetzte. Seibel war Fernsehjournalist und immer auch sein eigener Redakteur, der Themen selbst gewichten und seine eigenen Texte schreiben konnte. Die »Verkaufe«, wie er die Arbeit vor der Kamera nannte, absolvierte er mit der lässigen Präzision eines Grandseigneurs – dem eine Vorliebe für die feuilletonistischeren Themen anzumerken war. Der Stil setzte Maßstäbe bis heute. Korrespondent in einer Stadt wie Rom oder Paris, das hat ihn zwar gereizt. Dafür aber seine Position in der Zentrale aufgeben wollte er nicht. Claus Seibel starb am 1. März.

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