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MUSIK Clowns als Gangster

aus DER SPIEGEL 22/2008

Wie zivilisationsbedrohend der aus den Berliner Problembezirken entspringende deutsche Gangsta-Rap ist, davon war in diesem Jahr viel zu lesen. Die Liedtexte von Massiv oder Sido erzählten der deutschen Mittelschicht Räubergeschichten aus den Stadtteile Neukölln, Wedding oder Marzahn teilweise so übertrieben, dass sie klangen wie von einer Kinder-Märchenkassette. Dass all das wohl nicht übertrieben ernst genommen werden muss - diese Erkenntnis ist das Verdienst der nun auf DVD erschienenen, knapp siebenstündigen Musikdokumentation »Rap City Berlin II« von Henrik Regel, Stephan von Gumpert und Jakob Erlenmeyer. Der Film ist nämlich trotz seiner Pasolini-haften Länge vor allem eins: sehr komisch. Mehr als 150 Berliner Rapper und Rapperinnen äußern sich darin originell zu den HipHop-typischen Fragen wie Drogen, Kleinkrieg und Gefängnis, wagen sich aber auch an vertracktere Themen - wie den Geschlechterkampf oder die metaphorische Ambivalenz des Wortes »Schlampe«. Schon der erste Teil der Dokumentation, der 2005 erschien, war mit 25 000 verkauften Exemplaren die bestverkaufte HipHop-DVD in Deutschland.

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