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Am Rande Club der Leberwürste

aus DER SPIEGEL 12/2001

Hitparaden doof zu finden gehört zum kulturkritischen Schick, und doch will keiner die Bestenlisten missen: Kulturkonsumenten bietet sie Orientierung in unübersichtlicher Zeit. Wie etwa wüssten wir, wo's langgeht in der Theaterwelt, wenn nicht eine emsige Jury die deutschsprachigen Theater abklapperte, um die besten zehn Aufführungen auszuwählen fürs Berliner Theatertreffen? Natürlich ist diese Hitliste subjektiv, jedoch fast immer gerecht. Tja, aber die so genannten jungen Theaterstürmer von der Berliner Schaubühne, vom Frankfurter TAT und aus Basel sind diesmal nicht eingeladen, und das grämt sie sehr. Könnte es daran liegen, dass die Ostermeiers und Bachmänner einfach nix Verwegenes zu Stande gebracht haben? Wollen sie nun in sich gehen und zu neuen, größeren Taten schreiten, damit es im nächsten Jahr mit dem Treffen klappt? Leider nein: Die Jungs schmollen - und laden zu einem Gegen-Treffen nach Frankfurt, das just ebenfalls im Mai stattfinden soll. »Experimenta 7« nennen sie das Spektakel, richtiger aber wäre »Club der beleidigten Leberwürste": Die Youngsters wollen glauben machen, sie seien Opfer eines Generationenkrieges. Stimmt bloß nicht, wie der Blick auf die Berliner Auswahl belegt. In Wahrheit handelt es sich um einen Klassenkampf: Die vermeintlich Geächteten haben es nur auf die hinteren Plätze geschafft - und inszenieren nun eine trostlose Party der Zweitklassigen.

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