Superhelden-Zeichner George Pérez ist tot Der Mann, der Wonder Woman neu erfand

Er entzog Wonder Woman lüsternen Blicken, erfand und definierte viele Figuren von Marvel und DC: George Pérez war einer der besten Charakterzeichner der Superhelden-Comics. Jetzt ist er mit 67 Jahren verstorben.
Comic-Künstler George Pérez (2019): Bestimmender DC-Zeichner der Achtzigerjahre

Comic-Künstler George Pérez (2019): Bestimmender DC-Zeichner der Achtzigerjahre

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GABRIEL OLSEN / AFP

Fans des Superhelden-Universums von DC Comics müssen dieser Tage sehr stark sein. Erst Ende April starb mit Neal Adams ein berühmter Comic-Künstler, der die Figuren Batman und Green Arrow in den Siebzigerjahren mit seinem Stil neu definiert hatte. Jetzt verstarb der Zeichner und Autor George Pérez an einer schon länger bekannten Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung. Er wurde 67 Jahre alt.

Pérez galt als einer der besten und einflussreichsten Künstler der Superhelden-Historie. In den Achtzigerjahren erfand er mit Autor Marv Wolfman die »New Teen Titans«, eine jugendliche Heldentruppe, die das überalterte Personal von DC auffrischte und bis heute populäre Figuren wie Starfire, Cyborg oder Deathstroke etablierte. Mit seinen Zeichnungen zur Miniserie »Crisis on Infinite Earths« verhalf er dem Verlag Mitte der Achtzigerjahre zu einem Bestseller und einer radikalen inhaltlichen Neuausrichtung, die bis in die Gegenwart nachhallt.

Zu seinen größten Errungenschaften aber zählt die Neudefinition einer der ältesten DC-Heldinnen: Ab 1987 übernahm er die »Wonder Woman«-Heftserie zunächst als Zeichner, später auch als Autor – und entzog die Comic-Amazone lüsternen Blicken und sexistischen Darstellungen, indem er sie nach wie vor sexy inszenierte, aber auch bulliger und athletischer. Pérez' Zeichenstil war barock und opulent, aber auch extrem detailreich. Seine Figuren hatten individuelle Gesichtsausdrücke und Charakterzüge.

»Sie hatten einen Zeichner dabei, der wahrscheinlich eher für das Zeichnen von Käsekuchen bekannt war, also war es absehbar, dass du eine Menge billiger T&A-Aufnahmen (»Tits & Ass«, Anmerkung d. Red.) von einer Figur bekommst, die bis zu einem gewissen Grad eine feministische Ikone sein soll«, sagte Pérez einmal in einem Interview über seine Entscheidung, sich der 1941 erschaffenen »Wonder Woman« anzunehmen.

Nach Job gefragt, umarmt und geknutscht

Also wandte er sich an die damalige Heftredakteurin Janice Race und fragte nach dem Job. Es sei das erste Mal gewesen, dass er von einer Redakteurin umarmt und geknutscht worden sei, sagte Pérez.

Seine fünfjährige Arbeit an der Serie gilt als Meilenstein, an ihm orientierten sich spätere Autorinnen und Zeichnerinnen. Mit Mindy Newell holte Pérez auch erstmals eine Frau als Co-Autorin an Bord. Pérez' Ausrichtung der Figur gilt auch als Haupteinfluss für den erfolgreichen ersten »Wonder Woman«-Film von Regisseurin Patty Jenkins.

Gal Gadot als »Wonder Woman« im gleichnamigen Film (2017): Sexy, aber auch athletischer

Gal Gadot als »Wonder Woman« im gleichnamigen Film (2017): Sexy, aber auch athletischer

Foto: Clay Enos/ AP

Begonnen hatte Pérez seine Arbeit als Zeichner bei der Konkurrenz von Marvel Comics, wo er Mitte der Siebzigerjahre zusammen mit Autor Bill Mantlo den ersten hispanischen Comic-Charakter des Verlags erschuf: den puerto-ricanischen Superhelden White Tiger in der Serie »Deadly Hands of Kung-Fu«. Die Eltern von Pérez, 1954 in der New Yorker South Bronx geboren, stammten ebenfalls aus Puerto Rico.

Bei Marvel zeichnete er unter anderem auch für die Serien »Fantastic Four« und »Inhumans«. Vor allem seine Arbeit an den »Avengers« hinterließ bleibenden Eindruck, Pérez zeichnete einen großen Teil der berühmten »Korvac Saga« des damaligen Marvel-Chefredakteurs Jim Shooter. Nach seiner vorübergehenden Rückkehr zu Marvel gestaltete er für Jim Starlin auch die Miniserie »Infinity Gauntlet«, deren Story direkten Einfluss auf die »Infinity Saga« der populären Marvel-Kinofilme der Zehnerjahre hatte.

Gesundheitlich schon lange angeschlagen

Auch zu DC kehrte Pérez nach inhaltlichen Zerwürfnissen über »Wonder Woman« in den Nullerjahren noch einmal zurück, unter anderem, um an der »Crisis«-Nachfolgeserie »Infinite Crisis« und einer neuen »Superman«-Serie zu arbeiten. Ab 2013 hatte der mehrfach preisgekrönte Comic-Künstler jedoch zunehmend mit gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen, unter anderem litt er wegen seiner Diabetes-Erkrankung an Augen- und Herzproblemen. Ende 2021 machte er seine Krebserkrankung öffentlich.

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Seine langjährige Freundin Constance Eza schrieb am Samstag auf Twitter, dass George Pérez »gestern friedlich zu Hause« im Beisein seiner Frau Carol und ihrer Familie verstorben sei. DC Comics hat für kommenden Juni, zum 68. Geburtstag von Pérez, eine doppelseitige Würdigung seines Schaffens angekündigt, die in allen aktuellen Heftserien des Verlags veröffentlicht werden sollte.

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