Zur Ausgabe
Artikel 70 / 93
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

FILM Coup mit Kniff

aus DER SPIEGEL 8/1968

Point Blank (USA). Der Gangster Walker (Lee Marvin) tritt über einen teuren Teppich kurz ins Nebenzimmer, um nach der Leiche seiner Frau zu sehen. Als er zurückkommt, ist die Luxusdiele plötzlich leergeräumt.

Mit derlei Bluff-Schnitten, mit Raum-Zeit-Sprüngen, Vor- und Rückblenden und kafkaeskem Brimborium verdüstert der Regisseur John Boorman ein Gangsterstück, das sonst bloß spannend und sadistisch wäre.

Boorman, ein Brite in Hollywood, folgt dem Trend der Film-Fabrik, alte Genres mit Cinéasten-Kniffen zu veredeln. »Bonnie und Clyde«, die Parade-Pièce der neuen Welle, ist freilich perfekter.

Marvin, der einen wortkargen Brutalnik vorstellt, wurde bei einem Coup um seinen Anteil geprellt. Mit einem schweren Trommelrevolver -- so die Handlung -- schießt er sich rächend durch bis zur Spitze eines geheimnisvollen Gangster-Syndikats.

Der Regisseur schont dabei weder Menschen noch Material. Ein Obergangster, vom Liebesdienst an einer Blonden (Angie Dickinson) stark entkräftet, wird nackt vom Wolkenkratzer-Dach gekippt. Und Marvin rammt ein weißes Chrysler-Automobil, Jahrgang 1967, so lange gegen Brückenpfeiler, bis der mitfahrende Typ plaudert.

Auch in solchen Fällen: Immer Sicherheitsgurte anlegen.

Zur Ausgabe
Artikel 70 / 93
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.