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POP »Currywurst und Leberkäs-Semmeln«

Alex Kapranos, 34, Sänger der Band Franz Ferdinand, über sein Buch »Sound Bites«
aus DER SPIEGEL 12/2007

SPIEGEL: Mr Kapranos, was haben Köche und Rockstars gemeinsam?

Kapranos: Beide sind Freaks, Außenstehende, die sich nicht in eine normale Gesellschaft integrieren können. Küchen und Backstage-Bereiche scheinen Umgebungen zu sein, die schlechtes Benehmen und asoziales Verhalten tolerieren. Orte für Menschen also, die niemals einen gewöhnlichen Job ausüben könnten. Außerdem merkt man beiden, Köchen und Musikern, an, ob sie mit Leidenschaft an ihre Sache herangehen. Das Essen eines lustlosen Kochs wird scheußlich schmecken, der Song eines gleichgültigen Musikers niemanden begeistern.

SPIEGEL: Bevor Sie mit Franz Ferdinand berühmt wurden, haben Sie selbst als Koch gearbeitet. Nun behaupten Sie in Ihrem Buch, dass diese Erfahrung »die beste Vorbereitung fürs Touren mit einer Band« gewesen sei. Weshalb?

Kapranos: Weil du dich auf Tour genauso wie in einer Restaurantküche immer wieder in extremen Situationen wiederfindest. Du musst in einem Moment von totaler Langeweile auf extreme Aktivität schalten und plötzlich mit dem Adrenalin fertig werden, das dir durch den Körper strömt.

SPIEGEL: Sie haben auf Ihren Tourneen in Tokio Eintopf für Sumoringer und Seeigel gegessen, in New Orleans Alligatorwurst. Bisher ging man wohl eher davon aus, dass eine Band wie Franz Ferdinand sich von kalter Pizza und Bier ernährt.

Kapranos: Ja, das tun wir häufig auch, aber das habe ich im Buch lieber nicht erwähnt. Dieser Seeigel war übrigens das einzige Nahrungsmittel, das ich in meinem Leben nicht runterschlucken konnte. Ekelhaft. Meistens aber begeistern mich die typischen Speisen eines Landes. Sie erzählen ja geradezu ihre eigenen Geschichten. Im Grunde versuche ich auf jeder Reise, mich über das Essen an die Orte ranzutasten.

SPIEGEL: Haben Sie das in Köln, München oder Berlin auch so gemacht?

Kapranos: Natürlich. Dort ging es sogar besonders leicht. Das deutsche Essen ist so herrlich fettig. Ich liebe an Köln die Currywurst, an München seine Leberkäs-Semmeln und an Berlin die Falaffeln. Wir hängen ja nicht ständig in Nobel-Restaurants rum und futtern uns durch die Nouvelle Cuisine. Das ist nicht unsere Art.

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