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FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Dampf ums Dasein

aus DER SPIEGEL 23/1968

Caroline Chérie (Frankreich) gibt ihren Leib, um ihren Kopf zu retten, und das sehr oft; denn die Guillotine köpft jeglichen Tag.

Die Revolutions-Amoureske des Galantmanns Cécil Samt Laurent war vor zwei Dekaden zum erstenmal verfilmt worden. Das frivole Stückchen erspielte Weltruhm für Martine Carol und ihre hochgeschwellte Brust und öffnete das Kino für vive Naive -- von Brigitte Bardot über Mireille Darc bis Elke Sommer.

Das müde, prüde Remake (Regie: Denys de la Patellièe) bringt France Anglade im Titelpart, und was bei Caroline 1. ins Auge stach, das wogt hier eher beschaulich. Auch ihre Miene kündet von stillerer Art; und so, mal Heu, mal Seide im Rücken, unterliegt sie den Randgestalten der Französischen Revolution.

Bekannte Herren, Vittorio De Sica, Bernard Blier, Gert Fröbe, treten kurz ins Leben Carolinchens, und Charles Aznavour, als Postillion verkleidet, singt eingangs ein Lied. Doch dann fängt der Regisseur schon an zu zügeln.

Nebst Wald und Wiese dienen gebrechliche Kulissen als Hintergründe, grelle Stoffe simulieren teure Interieurs, und ein bißchen roter Dampf, davor die Silhouetten grob Bewaffneter, markieren die Große Revolution. Wo kein Feuer ist, muß eben Rauch herhalten.

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