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Daniel Schmids »Kuß der Tosca«

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aus DER SPIEGEL 8/1985

Dem ins Fernsehen abgewanderten (und dort zum Feature heruntergekommenen) Genre des Dokumentarfilms hat der Schweizer Regisseur Daniel Schmid ("Hecate") mit seinem Doku-Drama »Der Kuß der Tosca« zu einer Auferstehung im Kino verholfen. Der Film, ruhig und bedacht und ganz nach der Wirklichkeit inszeniert, spielt in einem »Casa Verdi« genannten Altersheim für Künstler. In dem Mailänder Haus ist keiner unter siebzig. Daniel Schmid hat das Tor zu dieser Künstler-Gruft aufgestoßen und heraus sprudeln, fortissimo, Verdis Arien und ein ausgelassenes Völkchen. Mit ihren Erinnerungsstücken - alten Photos, Kostümen und anderen Reliquien - leben die greisen Artisten sehr gegenwärtig in ihrer glitzernden Vergangenheit. Sie musizieren und jubilieren, geben beinahe täglich großes Opern-Theater zum besten und geizen auch nicht mit kleinen menschlichen Tragödien. Den Applaus, den sich die Alten unentwegt spenden, hat auch der Film verdient.

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