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Darmstädter Vertrottelung

aus DER SPIEGEL 20/1988

Wenn die Herrschaften der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mal »etwas tun«, dann »passiert gleich ein Malheur«, so grollte die »FAZ« und rügte eine »plumpe Geschmacklosigkeit«, die dem Altphilologen und Dramatiker Walter Jens widerfahren ist. Jens war in diesem Jahr für den Georg-Büchner-Preis vorgeschlagen, von der Jury-Mehrheit aber abgelehnt worden. Den Preis heimste ein ehrenwerter, aber weithin unbekannter Österreicher namens Albert Drach, 85, ein. Drachs Schriften erscheinen im Carl Hanser Verlag, der in der Darmstädter Jury mit einem überaus regsamen Vertreter präsent ist: Verlagsleiter Michael Krüger. Jens sollte nun mit einem Preis für literarische Kritik und Essay getröstet werden. »Ein knappes Vierteljahrhundert zu spät«, schrieb er bitter und verweigerte die Annahme. Die Akademie hat nun einen schweren Drach-Schaden und muß sich von der »FAZ« maliziös fragen lassen, ob es ihr gelingen werde, ihre »sprichwörtliche Vertrottelung zu überwinden«.

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