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KUNSTMARKT »Das Geschäft ist sicherer denn je«

Philipp Herzog von Württemberg, 42, Deutschland-Chef des Auktionshauses Sotheby's, über riskante Garantiezahlungen an die Anbieter von Werken
aus DER SPIEGEL 19/2007

SPIEGEL: Herr von Württemberg, am 15. Mai versteigert Sotheby's in New York ein Bild des Malers Mark Rothko. Ihr Haus soll dem Besitzer David Rockefeller 46 Millionen Dollar garantiert haben - die er unabhängig vom Auktionsergebnis erhält. Warum gehen Sie ein solches Risiko ein?

Württemberg: Wir haben Stillschweigen über Details vereinbart. Garantiesummen aber verlangt der Wettbewerb nun einmal. Um einen Sammler mit tollen Werken bemühen sich auch andere. Aber ein Risiko?

SPIEGEL: Der Auktionsrekord für Rothkos Kunst liegt bisher bei 22,4 Millionen Dollar.

Württemberg: Mit einem Bild von Jackson Pollock haben wir 2006 rund 140 Millionen Dollar umgesetzt, warum sollte ein qualitativ ebenbürtiger Rothko nicht wenigstens 40, 60 oder sogar 80 Millionen Dollar oder mehr erreichen?

SPIEGEL: Insgesamt, so heißt es in der Branche, wende Sotheby's für seine diesjährigen Frühjahrs- und Herbstauktionen Garantiesummen von 300 Millionen Dollar auf. Ein Rekord?

Württemberg: Unabhängig von solchen Gerüchten nur so viel: Gewisse Beträge erscheinen nur auf den ersten Blick hoch. Wir haben im vergangenen Jahr 3,75 Milliarden Dollar umgesetzt. Auktionen sind ein Wachstumsmarkt. Viele Werke werden ersteigert, nach wenigen Jahren erneut auf den Markt gebracht und erzielen noch höhere Preise. Dieses rasante Tempo gab es früher nicht.

SPIEGEL: Deutet es nicht auf eine gewisse Leichtfertigkeit hin, dass neuerdings so selbstverständlich Garantiesummen gegeben werden?

Württemberg: Die könnten wir uns gar nicht erlauben. Die Konkurrenz ist nicht börsennotiert, wir hingegen müssen unsere Investitionen auch vor unseren Aktionären verantworten. Im Grunde ist das Geschäft sicherer denn je, wir haben mehrere Standbeine. Früher wurden hohe Umsätze nur mit den Impressionisten erzielt. Heute verdient man in vielen Bereichen gutes Geld, insbesondere auch mit zeitgenössischer Kunst. Der Kreis der Kunden wird immer größer. Die Nachfrage ist riesig.

SPIEGEL: Eben. An Nachschub zu gelangen ist schwer. Zuletzt hat Christie's Sie beim Kampf um exquisite Ware oft ausgestochen und entsprechend hohe Umsätze erzielt. Was lief für Sie falsch?

Württemberg: Mal schneidet Christie's besser ab, mal wir. Mit welchen Garantiesummen die Konkurrenz die Einlieferer überzeugt und ob sich das rechnet, weiß ich nicht. Sotheby's konzentriert sich auf Qualität, nicht auf Masse. Wir versteigern ungefähr 100 000 Lose pro Jahr, Christie's rund das Doppelte.

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