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KULTURPROGRAMME Das Grauen und die Kunst

aus DER SPIEGEL 39/2001

Auch in den kulturellen Veranstaltungskalendern haben die Terrorakte von New York und Washington ihre Spuren hinterlassen. Viele Künstler mussten ihre Europa-Besuche absagen, weil sie keine Flüge bekamen. Die Sängerin Britney Spears verzichtete auf den Deutschland-Trip, auf dem sie ihr neues Album »Britney« vorstellen wollte, um »in dieser traurigen Zeit für Amerika und für die ganze Welt« bei ihrer Familie sein zu können. Vier Theater am New Yorker Broadway reagierten auf den Touristen- und Publikumsschwund nach dem Terroranschlag mit der Absetzung von Stücken wie »The Rocky Horror Show« oder »A Thousand Clowns«. Auch das neu bearbeitete Musical »Kiss Me, Kate« wird nicht mehr aufgeführt. Schon beraten Theaterbesitzer und Schauspieler, wie die durch das Ausbleiben von Touristen wachsenden Verluste zu begrenzen sind; sogar der freiwillige Verzicht aller Beteiligten auf ein Drittel ihrer Gage wird diskutiert. In Europa wurden bei Kulturveranstaltungen unterschiedliche Konsequenzen gezogen. »In Anbetracht der Ereignisse in den USA« sagte das Wiener Burgtheater die Zadek-Matinee »Variationen über die Rache« ab. Das Hamburger Schmidts Tivoli dagegen hielt am Musical »Swinging St. Pauli« fest, das am Terrortag Premiere hatte. Gerade weil das Musical über die lokale Swing-Jugend und deren Verfolgung in der Nazi-Zeit von einer »Form des Terrors« handele, so die Begründung, sei das Stück angemessen.

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