Zur Ausgabe
Artikel 78 / 111

Das große Zittern des Gerhard Merz

aus DER SPIEGEL 26/1992

»So groß durfte ich noch nie«, sagt Gerhard Merz, Zelebrant einer asketischen Kunst mit klassischen Form-Zitaten. An zwei Hamburger Schauplätzen hat er eine architektonisch-malerische »Archipittura« inszeniert. In der Deichtorhalle umgibt (bis 26. Juli) eine Raumfolge mit flächigen Wandmalereien ein altarähnlich erhöhtes Fassaden-Modell, dessen 19 Meter breiter Sockel in erhabenen Großbuchstaben ein Satzfragment eines Dante-Zeitgenossen trägt: »Macht die Luft vor Klarheit erzittern«. Im Treppenhaus der Kunsthalle wirkt die Decke wie aufgebrochen durch ein tiefschwarzes Merz-Quadrat mit einem Heiligenschein aus Leuchtröhren; Werk-Elemente und Werkzeug des Maler-Architekten liegen in einem »Studiolo« bereit (bis 2. August). Sein Emblem: eine Riesen-Reißschiene. Betrachter können vor Klarheit und Bewunderung beben, aber auch ein bißchen frösteln.

Zur Ausgabe
Artikel 78 / 111
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.