Monty-Python-Klassiker »Das Leben des Brian« kommt als Musical auf die Bühne

»Folgt der Sandale!« – und zwar nach München. Dort wird eine Musicalversion von »Das Leben des Brian« aufgeführt. Die Übersetzung des britischen Klassikers war offenbar eine Herausforderung.
Szene aus dem »Leben des Brian«-Musical: »Sogar Mariachi-Trompeten«

Szene aus dem »Leben des Brian«-Musical: »Sogar Mariachi-Trompeten«

Foto: Christian Pogo Zach / Staatstheater am Gärtnerplatz / dpa

»Jeder nur ein Kreuz«: Das Münchner Gärtnerplatztheater bringt »Das Leben des Brian« an diesem Donnerstag in einer Musiktheater-Version auf die Bühne – in einer deutschen Erstaufführung.

»Das Leben des Brian« erzählt die Geschichte eines Mannes, der vor rund 2021 Jahren in dem Stall neben dem von Maria und Josef zur Welt kommt, 33 Jahre später im Untergrund gegen die Römer kämpft und schließlich durch einen dummen Zufall für den Messias gehalten wird.

Der Film erschien im Jahr 1979. Das Londoner Magazin »Time Out« führt ihn auf Platz 20 der besten britischen Filme aller Zeiten. Im Jahr 2007 kam das Musiktheater dazu im englischen Original heraus. Übersetzungen gibt es nach Angaben des Theaters sehr wenige – und auf Deutsch gab es das »komische Oratorium« überhaupt noch nicht.

Englischer Bergmannschor wird zur Gruppe heimwehkranker Mittelfranken

Der Kabarettist und Autor Thomas Pigor hat das »Life of Brian«-Oratorium, dieses »sehr britische Stück«, ins Deutsche übersetzt. Keine leichte Aufgabe. »Englische Lyrics einzudeutschen ist immer eine Herausforderung, weil das Englische mit kurzen Worten auskommt – ganz im Gegensatz zum Deutschen. Wir haben Monsterworte mit eingebautem Dreivierteltakt wie Kraftfahrzeugzulassungsstelle, die man dann richtig betonen muss«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

»Einfache Gags übersetzen sich leicht: Slapstick-Einlagen oder Situationskomik. Schwieriger wird es, wenn es um Wortwitz oder um Kontext geht.« Da gebe es Anspielungen auf Fernsehserien, auf Monty-Python-Sketche, die für Engländer Klassiker sind, die ein deutsches Publikum aber kaum kennt. In solchen Fällen habe er dann »deutschen Kontext einbauen« müssen.

So wird aus dem englischen Bergmannschor eine Gruppe heimwehkranker Mittelfranken, die »Mir wolln hamm« schmettern. Die Dudelsackpfeifer sind in der Pigor-Version eine bayerische Blaskapelle. Die besondere Komik ergibt sich nach seiner Ansicht aus der Diskrepanz zwischen Orchester und klassischen Sängern, die mit großem Gestus vortragen, auf der einen – und der Banalität dessen, was sie singen, auf der anderen Seite.

»Life of Brian« auf der Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters: Anna Agathonos, Maximilian Maier, Julia Sturzlbaum und Alexander Grassauer

»Life of Brian« auf der Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters: Anna Agathonos, Maximilian Maier, Julia Sturzlbaum und Alexander Grassauer

Foto: Christian POGO Zach / dpa

Angelehnt ist das Stück an Händels Messias-Oratorium. »Aber es ist auch Broadway mit drin und Popmusik, Country, Spiritual, sogar Mariachi-Trompeten«, sagt Pigor. »Eine Satzbezeichnung lautet Baroque and Roll.«

Nicht nur in der schlichten Übersetzung sah er eine Herausforderung: »Meine Aufgabe war es, die Songtexte so zu übertragen, dass sie ein heutiges, deutschsprachiges Publikum ansprechen« – und dabei sei auch das »Heutige« nicht ganz einfach gewesen. »Das ›Leben des Brian‹ ist ein zeitloser Stoff, auch wenn einige Nummern eindeutig den Siebzigerjahren zuzuordnen sind. So ist zum Beispiel der Streit zwischen den jüdischen Widerstandsgruppen Volksfront von Judäa und Judäische Volksfront eine Parodie auf die linken K-Gruppen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob man sich über den Sprachfehler des Pontius Pilatus heute so unbefangen amüsieren würde, wie die Pythons das damals taten«, sagt er.

Ein Aspekt aber sei für ihn unantastbar gewesen: Der Song »Always Look On The Bright Side Of Life«, zu dem Brian gekreuzigt wird: »Den Refrain singen wir lieber in Englisch.«

sak/dpa

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