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»Das Murmeln, Atmen, Grunzen der Liebe«

Neue Einblicke in das Intimleben viktorianischer Bürger Mit dem ersten Band, »Erziehung der Sinne«, einer großen Kulturgeschichte des Bürgertums im 19. Jahrhundert, versucht der amerikanische Historiker Peter Gay die seit rund hundert Jahren grassierenden Legenden und Vorurteile über die angeblich prüde Sexualität des Viktorianischen Zeitalters zu widerlegen. *
aus DER SPIEGEL 34/1984

Vor zwei Jahren spekulierte die amerikanische Historikerin Pauline Maier über das Intimleben der Briten-Königin Victoria, es sei wohl von Abscheu vor jeder Art geschlechtlichen Umgangs geprägt gewesen. Sex habe ihr wie Generationen von Frauen als »widerwärtige Verpflichtung« gegolten, denn sie seien in der Vorstellung erzogen worden, »daß nur anomale Frauen Begierde empfänden«.

Nun war Königin Victoria (1819 bis 1901), die mit 18 Jahren den Thron bestieg und einem ganzen Zeitalter den Namen gab, keineswegs »viktorianisch«, also nach dem landläufigen Vorurteil über ihr Jahrhundert prüde, frigid, frustriert und von Heuchelei erfüllt.

Im Gegenteil: Victoria zeichnete gern männliche Akte und sammelte Kunstwerke mit nackten Gentlemen. Eine Aktzeichnung des Malers William Mulready machte sie sogar ihrem geliebten Prinzgemahl Albert, dem steifen Deutschen und Vater ihrer neun Kinder, zum Geschenk.

Als trauernde Witwe hielt Victoria ihm auch nach seinem frühen Tod 1861 lange die Treue - aber nicht für immer. Ein ergebener Diener, Stallmeister John Brown, sorgte schließlich für das, was keusche Herzen nie bei Namen nennen, doch auf die Dauer nicht entbehren können.

Während Pfarrer und Ärzte noch den Gebrauch des neuen Narkosemittels Chloroform zur Linderung der oft unerträglichen Geburtswehen verdammten, gab die Königin 1853 ein gutes Beispiel, wobei sie als Oberhaupt der Anglikanischen Kirche zum Entsetzen frommer Würdenträger das göttliche Gebot Genesis 3,16 »Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären« getrost verletzte.

Über Pauline Maiers Victoria-Bild bemerkt denn auch Kollege Peter Gay: »Dergleichen ist nicht tot zu kriegen.« Er spielt damit auf die hartnäckigen Vorurteile an, die über das Viktorianische Zeitalter noch immer diesseits und jenseits des Atlantiks im Schwange sind.

Gay, 61, nunmehr angesehener Kulturhistoriker an der Yale University in New Haven (Connecticut) und derzeit für ein Forschungsjahr am Wissenschaftskolleg in West-Berlin, wurde als Peter Fröhlich in Berlin geboren und _(Alfred, Edward (VII.), Alice, Baby ) _(Helena, Victoria (später deutsche ) _(Kaiserin und Mutter Wilhelms II.). )

mußte mit seinen Eltern 1939 Nazi-Deutschland verlassen.

Von seinen ebenso gelehrten wie kurzweiligen Werken ist bislang nur der Band über die Kultur der Weimarer Republik 1970 übersetzt worden, nicht aber das 1978 erschienene Buch über »Freud, Juden und andere Deutsche ...«

In diesem Jahr hat Gay nun den ersten Band eines Projekts publiziert, das sich mit zumindest fünf Bänden zum ehrgeizigen Hauptwerk auftürmen soll: zu einer Kulturgeschichte der bürgerlichen Erfahrung »von Victoria bis Freud«, die im ersten (und im direkt anschließenden zweiten) Band die »Erziehung der Sinne«, also vor allem Bürgertum und Sexualität behandelt, dann Aggression und Machttrieb und in den Schlußbänden über die »Arbeit der liberalen Kultur« von den individuellen zu den sozialen Konflikten übergehen wird. _(Peter Gay: »The Bourgeois Experience. ) _(Victoria to Freud. Volume I.: Education ) _(of the Senses«. Oxford University Press, ) _(New York und Oxford; 536 Seiten; 25 ) _(Dollar oder 18,50 Pfund. )

Diese Einteilung zeigt schon, daß Gay zum Ärger mancher Kollegen die Psychoanalyse als Hilfswissenschaft - wenn nicht gar als Fundament - der Historie ansieht. Wenn er auch nicht in Autoritätsgläubigkeit erstarrt, so läßt er sich in Treue zu Sigmund Freud von keinem orthodoxen Analytiker übertreffen.

Doch auch Gay geht in seinem brillanten Essay zur Bibliographie kurz auf die Kontroversen um Freuds altväterische Ansichten zur weiblichen Sexualität ein. Im Text verweist er darauf, daß Freud noch nach 30 Jahren Forschung und Praxis 1926 geschrieben habe, das Geschlechtsleben erwachsener Frauen gliche einem »dunklen Kontinent«.

Und Gay beklagt an Freud, dem »Umstürzer«, aber auch dem »Kind« der Bürger-Kultur, den professionellen Pessimismus, den er mit vielen Ärzten des 19. Jahrhunderts gemein hat: »Weil er Jahr für Jahr bislang unverdächtigte Quellen sexuellen Elends entdeckte, schien es ihm plausibel, daß die uralte ... Furcht des Mannes vor der Frau im Verein mit anderen, nicht weniger zerstörerischen Ängsten mit Notwendigkeit die erotischen Freuden der Ehe vergiftete. Und da er in seinem Sprechzimmer nur die Opfer sexueller Fehlentwicklung sah, neigte Freud dazu, die für Frauen wie Männer in der bürgerlichen Welt vorhandenen Gelegenheiten für erotisches Glück zu unterschätzen.«

Erotisches Glück, zumal in der Ehe, sogenannten Viktorianern zuzuschreiben klingt zunächst befremdlich. Denn eines der Vorurteile über den Bürger-Sex im 19. Jahrhundert besteht eben in der Behauptung, die Herren hätten sich weitgehend außer Haus mit sogenannten leichten Mädchen amüsiert, während sie ihre Ehefrauen anbeteten (oder auch nicht), auf den Sockel der unberührbaren Halbgöttin hoben und so zwischen Leidenschaft und Liebe streng unterschieden.

Die Liebe war hierbei als mehr oder minder ätherische Himmelsmacht für den Familiensonntag gedacht - die Leidenschaft aber als fast schon alltägliches Abenteuer des nicht erst von Schopenhauer für polygam erklärten Mannes von Welt (oder Geschäft).

Natürlich hat es so etwas gegeben. Die zynischen Literaten-Brüder Edmond und Jules de Goncourt - ihre 22 Bände privater und literarischer Tagebücher sind für das Paris nach 1848 eine kulturhistorische Quelle ersten Ranges -, fanatische Junggesellen und erpicht auf enttäuschte Bürgerfrauen knapp unter 40, beschrieben mit klinischer Präzision die Reaktionen ihrer Geliebten:

»Heute gibt es hier das Murmeln, das Atmen, das Grunzen der Liebe. Es ist die Frau, die spricht und stöhnt: ''Das trifft den Nerv ... Oh! Bibi, ich komme ... Hum ... hum ... hum'' ... Studium der Liebe nach der Natur, Rascheln der Laken. - ''Hi! hi! hi!'' - Keuchendes Atmen. Mit leiser Stimme: ''Das kitzelt wundervoll ... stoße hart ... Ah! oh!''«

Hierzu Gay lakonisch: »Die Goncourts brauchten keine Umfragen, die ihnen sagten, daß die Frau genauso sexueller Erregung fähig sei wie der Mann.«

Eine medizinische Kapazität wie der Wiener Psychiater Richard Freiherr von Krafft-Ebing hingegen - und keineswegs er allein - verkündete 1894 in seinem höchst erfolgreichen und ständig revidierten Klassiker »Psychopathia Sexualis« (1. Auflage 1886; 9. Auflage 1894), bei normaler seelischer Entwicklung und guter Erziehung sei die sinnliche Begierde der Frau gering.

Sonst, meinte der wunschdenkende Wissenschaftler weiter, wäre ja die ganze Welt ein Bordell, wären Ehe und Familie unmöglich. Auf alle Fälle seien Männer, die weibliche Gesellschaft mieden, und Frauen, die nach sexueller Befriedigung verlangten, »abnorme Erscheinungen« - und schon 1890 hatte sich Krafft-Ebing eingebildet, bei der Frau sei die gehorsame Unterordnung unter das andere Geschlecht schlicht ein »physiologisches Phänomen«.

Mitten im Viktorianischen Zeitalter gab es jedoch Gegenbeispiele, die den Wiener Gelehrten hätten erblassen lassen. So schrieb die literarisch erfolgreiche Amerikanerin Laura Lyman am 23. März 1865 nach sieben Jahren Ehe ihrem Mann Joseph, einem Rechtsanwalt und Journalisten, der auch für die »New York Times« arbeitete: »Ich werde am nächsten Sonnabend Deine Schätze austrocknen, das kann ich Dir versichern.«

Beide hielten viel von der Phrenologie. Joseph Lyman ließ sich von Mr. John Bartlett, dem New Yorker Deuter seiner Schädelform, glaubwürdig versichern: »Ihr Glied zeigt entweder abwärts oder aufwärts, meist abwärts. Wenn es aber aufwärts geht, verrichten Sie kraftvolle Arbeit - und zwar so gründlich, daß keine gesunde Frau sich nach Abwechslung sehnen wird.«

Auch die bedeutendste amerikanische Feministin des Bürger-Jahrhunderts, Elizabeth Cady Stanton, bekannte, sie sei niemals eine Männerfeindin gewesen. Nach zwölf Jahren Ehe schrieb sie 1853, es sei ein Verrat an den heiligsten Gefühlen, wenn jemand vorgeben wollte, daß nicht »tiefe, glühende Liebe und Zuneigung« das Eheleben ausmachten. Bereits

ein Jahr danach proklamierte sie, die Frauen müßten zuallererst das Dogma umstürzen, »Sex sei ein Verbrechen, die Ehe eine Schändung und die Mutterschaft der Ruin«.

Lester Ward wiederum, einer der wichtigsten frühen US-Soziologen, führte ein französisches Tagebuch, in dem er seine Werbung, Liebe und Ehe beschrieb. Am 9. Februar 1861 notierte er: »Das Mädchen und ich hatten eine sehr schöne Zeit. Ich küßte sie auf die süßen Brüste und nahm mir zu viele Freiheiten mit ihrer süßen Person heraus, und wir mußten aufhören. Doch es ist eine aufregende Übung, die sehr innige, zärtliche und trauliche Gefühle erweckt, weswegen sie uns glücklich macht.«

Am 25. Oktober 1861 schrieb Ward: »An jenem Abend, in jener Nacht, erprobten wir die Freuden der Liebe und kosteten von dem Glück, das dem Eheleben gehört.«

Und im Sommer 1867 jubelte und jammerte er nach fünf Jahren Ehe, während seine Frau verreist war: »Wie ich sie liebe! Wie kann ich da noch eine Woche warten?«

Nur scheinbar zurückhaltender meinte der Dichter Nathaniel Hawthorne in einem Brief an seine Braut vom 20. Januar 1842: »Sogar das gesprochene Wort reicht nicht mehr aus. Blicke - der Druck der Lippen und Hände - die Berührung von Brust zu Brust - das ist eine bessere Sprache; aber allmählich wird auch sie uns nicht mehr genügen.«

Seine Frau hingegen lobte am 11. April 1843 den menschlichen Leib: »Vor unserer Ehe wußte ich nichts von seinen Fähigkeiten, und nur wahrhafte Eheleute allein können wissen, was für ein wunderbares Instrument er ist für die Vorsätze des Herzens.«

Aus der Stille der Archive hat Gay solche Briefe, Merk- und Tagebücher der schreibkundigen (weil noch nicht kulturell analphabetischen) Bürger-Welt zutage gefördert. Sie sprechen eine andere Sprache als den Jargon »gelehrter Unwissenheit«, der den Büchern, Traktätchen und Pamphletchen vieler, aber keineswegs aller Ärzte, Erzieher und Seelenhirten zu eigen war.

Als Paradebeispiel seiner Archivfunde gilt Gay eine junge Amerikanerin aus den puritanischen Neu-England-Staaten: Mabel Loomis (1856 bis 1932), die 1879 den Astronomen David Todd heiratete.

Mabel Loomis Todd ist Spezialforschern nicht unbekannt, weil sie sich in dem berühmten College-Städtchen Amherst (135 Kilometer westlich von Boston; 1890 hatte es 4512 Einwohner), wo ihr Mann als Direktor der College-Sternwarte arbeitete, mit der amerikanischen Lyrikerin Emily Dickinson angefreundet hatte und daher auch in deren Biographien vorkommt. Doch ihre Tagebücher, die Briefe der Eheleute, die Aufzeichnungen der Tochter und andere Dokumente blieben bis zu Gays Entdeckung unerforscht.

Denkwürdig ist Mabel Todds schriftlicher Nachlaß vor allem durch ungewöhnlichen Freimut, Schärfe der Beobachtung und sexuelle Liberalität - trotz der gleichwohl vorhandenen Vorurteile, die sie in ihrer behüteten Washingtoner Bürgerjugend aufgenommen hatte.

Gay spricht ihrer angesehenen Familie wie Tausenden anderer aus der Bourgeoisie Frömmelei, Aufdringlichkeit, Ahnenstolz, kostspieligen Ehrgeiz und Furcht vor sozialem Abstieg zu, während zugleich ständig die Unabhängigkeit von der sozialen Erfolgsleiter betont wird.

Doch Gay hebt ebenso hervor: »Es war gerade ihr festentschlossener Snobismus, der ihr moralische Laxheit erlaubte« - denn dieser Snobismus hatte Mabel Loomis den schönen Lebenstrost eingegeben: Was Ich tue, das ist wohlgetan.

Hinzu kamen Energie, Temperament, Lebensfreude und Leidenschaft, ein Flair für die eigene Wirkung und das Glück (oder der Zufall), bei den zwei wichtigsten Männern ihres Lebens - dem Ehemann und dem Geliebten; Freudianer Gay hält den Vater für noch wichtiger - das für sie genau Passende gefunden zu haben.

Rund vier Monate vor der Hochzeit notierte David Todd: »Mabel wird sich sicher voller Freude der neuen Empfindung erinnern, die ich ihr an diesem Abend verschafft habe. Wir könnten das unsere Verlobungsnacht nennen.«

Im Hochzeitsmonat wiederum schrieb Mabel in ihr Merkbuch: »Wieder ein _(Zeichnung von A. Beardsley. )

paar innige, süße Minuten mit ihm und dann: Er - putzte meine Schuhe! Endlich.«

Was das auch immer heißen mochte, Gay befindet, daß Mabel das Ehebett »zumindest technisch als Jungfrau« erreicht habe. Er zitiert andere Zeugnisse, die belegen, daß die jungen bürgerlichen Verlobten in den puritanisch-viktorianischen USA zumindest das betrieben, was Sex-Zoologe Alfred C. Kinsey später »heavy petting« nannte und deutsche Ärzte gelehrter als mutuelle Onanie beschimpften.

Ebenso erwähnt Gay zwei andere Forscher, die schätzen, um 1900 seien bereits 25 Prozent der jungen Bürgerbräute in den USA nicht mehr Jungfrau gewesen.

Mabel Todd jedenfalls genoß auch das Eheleben mit bemerkenswerter Scharfsichtigkeit. Am 10. September 1879, nachdem ihr Mann von einer Reise zurückgekehrt war, erlebte sie, daß »die physische Wirkung unseres intimen Umgangs nicht mehr dem glich, was ich bislang erfahren hatte, es war Lust, und doch war es sehr schwierig für mich, die gleiche Intensität zu fühlen wie bisher - es war eine erregende Art von Atemlosigkeit -, doch schließlich kam er - der gleiche schöne Höhepunkt des Gefühls, den ich so gut kannte«.

Als Mabel ihrem Mann die ursprünglich ungewollte Schwangerschaft mitteilte, schrieb er ihr einen Brief, den Gay »so etwas wie ein historisches Dokument« nennt, denn in ihm habe sich nicht nur die traditionelle Heiligung der Mutterschaft, sondern zugleich ungehemmte »Begeisterung für die Sexualität« bezeugt.

Und Gay urteilt: »Wir wissen, daß nach der seit langem überlieferten Schulweisheit über die Mittelklasse des 19. Jahrhunderts der Mann sein Liebesleben in zwei Teile gespalten habe, daß einige seiner Frauen Engel, andere Huren gewesen seien. Aber das Verhalten und die Gefühle der Todds widersprechen dieser weitverbreiteten Meinung.«

Denn Gay sieht im Eheleben der Todds eine »glückliche Kombination von Sinnlichkeit und Zuneigung«, von Leidenschaft und Liebe verwirklicht, die das Vorurteil den Viktorianern abgesprochen hat - und noch dazu erstaunliche sexuelle Freizügigkeit.

So nannte Mabel ihren Mann »unschuldig unmoralisch«. Schon nach drei Jahren Ehe, vertraute sie später ihrer Tochter Millicent an, habe er mit allen Frauen etwas angefangen, die auf seine Avancen eingegangen seien, auch mit weiblichen Logiergästen im Hause, sogar mit Millicents kleinen College-Freundinnen.

Millicents Mutter wiederum ließ sich in Amherst mit dem angeblichen Beau - Millicent verabscheute ihn wegen seiner »roten Perücke« - und angesehensten Bürger der Stadt ein: mit Austin Dickinson, der fast so alt wie Mabels Vater, Bruder der lyrischen Freundin Emily und Davids bester Freund war.

Zehn Jahre hindurch tolerierte David fast begeistert diese Art zweiter Ehe seiner Frau, in einer Kleinstadt ein offenes Geheimnis. Als Austin 1895 starb, schrieb Millicent, »Zeugin und Opfer« der Eskapaden von Mutter und Vater: »Mama ist fast tot.«

Die sogenannte herrschende Moral, die bekannte doppelte, pflegte einen Mann nicht zu ächten, der eine Geliebte hatte. Doch im vorgeblich puritanischen Amherst blieb auch die »reulose Sünderin« Mabel in Gunst und wurde - sogar nach Austins Tod - weiter in die Häuser der Dekane und Professoren eingeladen.

Mabel Todd wurde zudem nach wie vor als sogenannte Löwin der Gesellschaft anerkannt: Sie sang bei Begräbnissen und in der Kirche; eine Studentenverbindung lud nach einem öffentlichen Zwischenfall Austins Frau und Tochter (und nicht etwa sie) für immer aus; sie gründete die Amherster Historische Gesellschaft; sie leitete die Komitees, die den Fakultäts- und den Frauenklub ins Leben riefen.

Noch 1913 wurde sie Präsidentin der Gesellschaft zur Pflege des Waldes, und von deren Einrichtung 1894 an bis 1903 dirigierte sie die Amherster Ortsgruppe der überaus ehrenwerten patriotischen Frauenorganisation »Töchter der Amerikanischen Revolution«.

Gay faßt zusammen: »Es war eine Sache, respektable Damen zum Tee einzuladen; es war eine andere für sie, zu kommen. Und die meisten von ihnen kamen. - Von dieser Perspektive aus gesehen, wirft Mabel Todds erotische Erfahrung ein unerwartetes Licht auf die bürgerliche Kultur des 19. Jahrhunderts.«

Und schon die Brüder Goncourt hatten am 14. September 1855 der gelehrten Unwissenheit ebenso aggressiver wie aseptischer Frauenverkenner zynisch entgegengehalten: »Die Welt wird an dem Tag untergehen, an dem junge Mädchen nicht mehr über schmutzige Witze lachen.«

Alfred, Edward (VII.), Alice, Baby Helena, Victoria (später deutscheKaiserin und Mutter Wilhelms II.).Peter Gay: »The Bourgeois Experience. Victoria to Freud. Volume I.:Education of the Senses«. Oxford University Press, New York undOxford; 536 Seiten; 25 Dollar oder 18,50 Pfund.Zeichnung von A. Beardsley.

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