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HOLLYWOOD Das nächste Massaker?

aus DER SPIEGEL 19/2007

Die Stimme klingt höhnisch: »Jedes Jahr werden in Amerika 10 000 Menschen mit einer Schusswaffe getötet. Über 2000 Menschen werden erstochen.« Es folgt ein leises Lachen, dann die gnadenlose Feststellung: »Amerikaner haben einfach keine Phantasie.« Mit diesen martialisch-verächtlichen Worten und Aufnahmen diverser Folterwerkzeuge wirbt derzeit der Filmverleih des Sony-Konzerns für seinen neuesten Horrorfilm »Hostel 2«, der im Juni in Europa und den USA in die Kinos kommen soll. Doch nach dem Amoklauf eines Studenten an der Virginia Tech University in Blacksburg, bei dem Mitte April 32 Menschen ermordet wurden, sind derart brutale Filme umstrittener denn je. So kritisiert die Federal Trade Commission der US-Regierung, dass die Hollywood-Studios noch immer via Internet auch solche Filme an Jugendliche verkaufen, die eigentlich nur für Erwachsene freigegeben sind. Auch die Studios reagieren: Mehrere Horrorfilm-Projekte wurden verschoben; die Produktion »Dark Matter«, die den Amoklauf eines Studenten an der Universität Iowa im Jahr 1991 nacherzählt (fünf Tote), hat bislang in den USA keinen Verleih gefunden. Ob den Zuschauern nach dem echten Massaker von Blacksburg die Lust auf fiktive Metzeleien vergangen ist, wird sich jedoch erst an den Kinokassen herausstellen. Zweifel sind angebracht: Der erste »Hostel«-Film von 2005 (Produktionskosten: etwa 5 Millionen Dollar) spielte weltweit über 80 Millionen Dollar ein.

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