Analyse von deutschen Magazinen Coverfotos stammen nur selten von Frauen

Wer macht in Deutschland Titelbilder für die größten Zeitschriften? Der Deutsche Journalisten Verband Hamburg und der SPIEGEL haben die Credits von Covern ausgewertet - die Frauenquote ist ernüchternd.
"Barbara" wurde fast immer von einem Mann fotografiert (Archivfoto).

"Barbara" wurde fast immer von einem Mann fotografiert (Archivfoto).

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Für "Geo" etwa schoss im vergangenen Jahr keine einzige Fotografin ein Titelbild, auch bei Frauenzeitschriften wie "Women’s Health", "Donna" und "Barbara" stammten die Coverfotos meistens von Männern.

Das geht aus einer Datenrecherche des SPIEGEL und des Deutschen Journalisten Verbands Hamburg (DJV Hamburg) hervor, die Credits zu insgesamt 540 Covern von 30 populären Magazinen für das Jahr 2019 auswerteten.

Die Details: Ausgewertet wurde jeweils der sogenannte Credit des Covers, der angibt, von wem das Foto oder die Illustration auf der Titelseite stammt. Laut Credits wurden 14 Prozent der Cover von einer Fotografin oder Illustratorin angefertigt. Für sieben der 30 untersuchten Magazine hat im vergangenen Jahr gar keine Frau ein Titelbild geschossen, bei 17 Publikationen waren nur an einem Drittel der Cover (und meistens weniger) nachweisbar Frauen beteiligt. Auch beim SPIEGEL wirkten demnach nur bei acht Prozent der Ausgaben 2019 Frauen mit.

Anders verhält es sich bloß bei vier Titeln: "Dogs", "SZ-Magazin", "manager magazin" und "Eltern". Mehr als ein Drittel der Coverfotos und Illustrationen dieser Zeitschriften waren 2019 von Frauen erstellt worden, beim "Eltern"-Magazin sorgten Frauen für 83 Prozent der Titelfotos. Das "manager magazin" handhabt den Covercredit jedoch anders, und hat oft die zuständige Layouterin mit aufgenommen, was hier den Team-Anteil erhöht.

"Merian"-Fotochefin Katharina Oesten sagte auf Nachfrage des DJV zu der eigenen Frauenquote: "Ganz klar, das ist Schubladendenken, das sind Vorurteile. Aber meine langjährige Erfahrung als Bildredakteurin zeigt mir, dass die Fotografinnen ihre Bilder bei der Abgabe weniger 'Aufhübschen'". Sie unterstelle männlichen Fotografen eine größere Affinität zu Technik. "Er dreht und schraubt, bis er das bestmögliche aus seinen Fotos rausgeholt hat. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel." Bei "Merian" sorgten laut Analyse im vergangenen Jahr Frauen für 17 Prozent der Titelfotos.

Man frage nur nach Motiv, nicht nach dem Urheber

Frank Dietz von der "Stern"-Titelredaktion sagte auf Anfrage des Verbands: "Warum heute die Diskrepanz noch so eklatant ist, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Auf der professionellen Ebene sehe ich keinerlei Unterschiede." Und weiter: "Ein Unterschied könnte die Selbstvermarktung sein: Es stellen sich deutlich mehr Männer als Frauen vor, schicken regelmäßig Updates ihrer Arbeiten." Bei dem Magazin stammten 13 Prozent der Cover im vergangenen Jahr von Fotografinnen.

Viele Bild- und Titelredaktionen betonten auf Anfrage, dass allein die Qualität des Bildes darüber entscheide, welches Foto es auf den Titel einer Zeitschrift schaffe: Man frage nicht nach dem Urheber, sondern allein nach dem Motiv.

Verlagsübergreifend betont wurde auch, dass in den Bild- und Titelredaktionen häufig Frauen arbeiten und diese auch vielfach leiten - so schrieb etwa Jan Spielhagen, Chefredakteur von "Beef!", auf Anfrage des SPIEGEL: "Wir sind im Moment sehr zufrieden damit, dass in der Mehrzahl Frauen unsere Cover entscheiden." Laut Datenanalyse stammte im vergangenen Jahr kein einziges Titelbild des Fleischmagazins von einer Fotografin.

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