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Dem klassischen Ballett

aus DER SPIEGEL 31/1979

das derzeit weltweit wieder Triumphe feiert, huldigen nun auch die Pariser Modezaren. Muster, mit denen Pablo Picasso einst Kostüme für das Ballett des Sergej Diaghilew (1872 bis 1929) geschmückt hatte, finden sich in der Wintersaison auf den Haute-Couture-Röcken von Yves Saint-Laurent. Und Picassos Harlekin-Design verwendete er auch bei seinen Taft-Abendkleidern à la Beile Epoque. Doch nicht nur Saint-Laurent, mit seiner »besten Kollektion seit Jahren« ("International Herald Tribune"), hatte sich vom üppigen Theaterstil um die Jahrhundertwende anregen lassen. Auch die Lanvin-Mannequins tanzten in Haremshosen aus durchsichtigem Lamé und byzantinischen Stickereien auf Taft über die Laufstege -- Lanvin-Designer Francois Crahay hatte offenbar die Zeichnungen des Bühnenmalers und Kostümentwerfers Leon Bakst, Freund von Diaghilew und Nijinsky, intensiv studiert. Sofort nach dieser Show graste das Modevolk denn auch die Buchhandlungen an den Tuilerien ab -- nach Kunstbüchern über Diaghilew und Bakst. Die strenge, enge Form der letzten Saison, in der Konfektionsmode noch durchgehender Trend, haben die teuren Schneider der Haute Couture wieder durchbrochen. Auch bei Jean-Louis Scherrer bauschten sich weite, wadenlange Glockenrocke. Freilich auch sie verlangen noch eine Wespentaille, aber die ist bei den zahlreichen Schößchenjacken ohnehin vonnöten.

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