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BUCHMARKT Der Beinahe-Berg

aus DER SPIEGEL 44/2000

Mächtig türmt sich Jahr für Jahr der Bücherberg der Novitäten auf. Wenige Leser aber ahnen die Umrisse des noch gewaltigeren Massivs der Beinahe-Bücher. Die Zahl bei Verlagen eingereichter, doch ungedruckter Manuskripte übersteigt, zumindest in den literarischen Abteilungen, jene der veröffentlichten Bücher um ein Vielfaches. Lektoren des Suhrkamp Verlags schätzen die Zahl der jährlich abgelehnten Möchtegern-Autoren auf 5000 gegenüber 120 produzierten Titeln. Rund tausend unaufgefordert eingesandte Manuskripte jährlich sortiert der Münchner Antje Kunstmann Verlag aus, der diesmal gerade 18 Bücher veröffentlichte. Bei Piper in München gingen - so erinnert sich der frühere Lektor und jetzige Literaturagent Uwe Heldt - innerhalb von rund zwei Jahren circa 4000 unerbetene Manuskripte ein; 400 davon wurden etwas näher geprüft, ganze 4 schließlich gedruckt. Die aktuelle Ablehnungsquote liegt nach Auskunft des Verlags eher noch höher. Nur wenige Häuser leisten sich wie Piper die Noblesse, Manuskripte ordentlich frankiert zurückzuschicken. Denn von den Portokosten könnte man, so Heldt, »einen Lyriker durchfüttern«.

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