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»Der Biß« der blonden Bestie

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aus DER SPIEGEL 2/1985

Marianne Enzensbergers New Yorker Blutsauger Jason ist nicht nur ein Farbiger, sondern auch sonst anders geartet als seine klassischen Gesellen Nosferatu oder Graf Dracula. Jason saugt seinen Opfern nicht das Leben aus dem Leib, sondern beißt es erst richtig hinein. So erging es jedenfalls Sylvana nächtens in New York. Nach Jasons »Biß« - so der Titel des Enzensberger-Films - ist sie vom Wunsch nach Liebe, Taten und Phantasie beseelt, vor allem von dem Verlangen, Jasons oralem Verkehr zur Weiterverbreitung zu verhelfen. Doch schon bei ihren Berliner Freunden beißt sie dabei auf Granit. Ulk und Gesellschaftssatire hat die Regisseurin, die auch das Buch schrieb und die Hauptrolle spielte, in ihrem ersten Spielfilm vereint, der demnächst in den Programmkinos anläuft. Eine schrille blonde Bestie, geistert sie durch diesen fröhlich-laienhaften Film; ein Kind der Berliner Szene (Musik: Enzensberger-Band »Unlimited Systems"), das seine Stammväter - etwa Rosa von Praunheim oder Lothar Lambert - nicht verleugnen kann.

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