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Der Boxer - eine Karriere

Der Historiker ("Hitler - Eine Biographie"), Kulturkritiker ("Aufgehobene Vergangenheit") und »FAZ«- Mitherausgeber Joachim Fest machte sich im Sportteil seiner Zeitung Gedanken über den Niedergang des Berufsboxsports. Auszüge: *
aus DER SPIEGEL 3/1986

Das Boxen war in seiner großen Zeit immer mehr als nur ein Sport. Es war die dramatisch verdichtete und in Regeln übersetzte Parabel vom Lebenskampf. Das Publikum, das in die Arenen strömte, erlebte am Ring nichts anderes als ein Abbild seines eigenen Daseins: der Härte und der Risiken, denen jeder ausgesetzt war.

Dieses Symbol hat seine Suggestionskraft fast gänzlich eingebüßt. Kaum einer erlebt im Sozialstaat das eigene Dasein noch als Kampf, und niemand muß befürchten, durch das Netz vielfältiger Sicherungen buchstäblich ins Bodenlose zu fallen.

Vielleicht noch abträglicher ist dem Boxsport, daß er den Einzelkämpfer herausstellt. Für die aufs Egalitäre gerichtete Tendenz der Gegenwart geht davon nur noch eine geringe Faszination aus.

Der Zeitempfindung von heute entsprechen denn auch viel eher die Mannschaftssportarten, der Fußball obenan.

Man muß hinzufügen, daß alle solchen Überlegungen, so zutreffend sie sein mögen, nur dauern, solange sie dauern.

Manches deutet darauf hin, daß Boris Becker mehr ist als ein hochbegabter Tennisspieler. Er hat wieder eine Ahnung davon vermittelt, daß die Ausgangssituation allen Sports der Kampf Mann gegen Mann ist.

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