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DER FALL LOU VAN BURG

aus DER SPIEGEL 32/1967

wuchs sich zur bislang größten Affäre des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) aus und endete mit dem Sturz seines populärsten Stars kurz vor der größten Sendung, die ZDF-Intendant Professor Karl Holzamer bislang vorbereitete: Lou van Burg ("Wunnebar, wunnebar") sollte am 25. August, seinem 50. Geburtstag, mit der 25. Sendung »Der Goldene Schuß« das Farbfernseh-Programm in der Bundesrepublik eröffnen.

Im Frühling 1967 hatte der Holländer (bürgerlich: Louis van Weerdenburg) im Zirkus Althoff die Geliebten ausgewechselt: seine Managerin, die geschiedene Belgierin Angèle Durand, 41, gegen seine Assistentin in der Manege, die verheiratete Rheinländerin Marianne Krems, 29; ein vor drei Jahren geborenes Krems-Kind heißt Angèle Lou Marina, Taufpaten sind Lou van Burg und Angèle Durand.

Nach dem Verlust ihres Begleiters sorgte Angèle Durand zusammen mit »Bild«- und Illustrierten-Reportern für Schlagzeilen. Die »Bild-Zeitung« verglich den Fall des TV-Helden mit dem Rücktritt des britischen Heeresministers Profumo (1963 wegen der Keeler-Affäre).

Für Lou van Burg endete die dritte Etappe seiner Fernseh-Karniere. Ersten Erfolg hatte er in Österreich mit der Reihe »Jede Sekunde einen Schilling«. Die zweite Serie »Sing mit mir -- spiel mit mir!« im Deutschen Fernsehen wurde vorzeitig abgebrochen: »Onkel Lou« hatte sich verdächtig gemacht: Beim Quiz war die Münchner Friseuse Brigitte Franke, deren Tante als Assistentin bei den Sendungen mitwirkte, durch ungewöhnliche Rate-Erfolge aufgefallen.

Aus diesem Anlaß berichteten Zeitungen und Illustrierte damals ausführlich über den Showmoster: Er hatte sich nach 20jähriger Ehe von seiner Frau, die er früher »Julchen« und nun »eine Furie« nannte, getrennt.

Das Zweite Fernsehen stritt zunächst jeden Kontakt zu dem im Ersten Programm gescheiterten Holländer ab, engagierte ihn im September 1964 aber dann doch.

Der zunächst als Nachfolger van Burgs verpflichtete Lau-Landsmann Rudi Carell ("Mir zittern jetzt schon die Knie") sagte wegen anderer Fernsehverträge ab. Am Mittwoch vergangener Woche entschied sich ZDF-Intendant Holzamer für den Schweizer Vico Torriani. Am Donnerstag -- 15 Stunden später -- klagte der geflogene Holländer bereits vor dem Münchner Arbeitsgericht auf »Feststellung der Unkündbarkeit«. Professor Karl Johannes Holzamer, 60, steht der öffentlich-rechtlichen Anstalt seit ihrer Gründung vor und ist heute Vorgesetzter für 2295 Mitarbeiter. Der gebürtige Frankfurter und gläubige Katholik wurde nach seinem Studium Redakteur und Reporter beim Rundfunk. Im Frieden berichtete er (in einer der ersten Tonbandreportagen) über eine neue Lufthansa-Luftlinie, im Krieg als Oberleutnant und PK-Reporter der Luftwaffe über den ersten Einsatz der V-1 gegen England.

1949 trat Holzamer in Mainz der CDU bei, 1952 erhielt er an der dortigen Universität einen Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik. Seit 1954 ist er Mitglied des päpstlichen Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem; 1966 zeichnete ihn der Papst mit dem Comturkreuz mit Stern des Gregoriusordens aus.

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