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Der letzte Maler, grübelnd in Wien

aus DER SPIEGEL 3/1989

Einer malt »visionär« das »Bild nach dem letzten Bild«, ein anderer imitiert das Guggenheim-Museum als Bar, ein dritter läßt »archaisch-mythisch« aus einem Hocker Rauch aufsteigen. Die Namen der Künstler aber sind so unbekannt wie die ihrer drei Kollegen, mit denen gemeinsam sie derzeit (bis 30. Januar) im Wiener Museum für angewandte Kunst ausstellen, und die jener sechs Theoretiker, die im Katalog die Werke kongenial analysieren. Lug und Trug! Die »Inszenierte Kunst Geschichte« (Schau-Titel) ist eine polemische Erfindung des Medienkünstlers Peter Weibel. Mit reichlich musealem Aufwand soll das Großarrangement, in dem sich neben parodistischen Anspielungen auf internationale Prominenz auch ältere Weibel-Werke entdecken lassen, zeitgenössische Kunststile als austauschbare »Readymades« entlarven und die Szene »dekonstruieren«. Vielleicht, so Weibel pathetisch, sei heutzutage »der Ausstieg aus der Kunst die höchste Form der Kunst«. Sein »letzter Maler« bringt, laut Katalog, nur noch den Schriftzug »Finis« zustande, gerät jedoch ins Grübeln, ob es nicht besser »Firnis« hieße.

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