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KUNST Der Maler und die Detektive

Von Jürgen Hohmeyer
aus DER SPIEGEL 43/1997

Bei Zeitgenossen stand er hoch im Kurs, doch bald nach seinem Tod wurde Georges de La Tour (1593 bis 1652) so gründlich vergessen, daß Kunsthistoriker und Archivare des 20. Jahrhunderts seine Spuren Schritt für Schritt wiederentdecken mußten. Inzwischen zählt der lothringische Barockmaler, der Bibel- und Genreszenen in unvergleichlich magisches Helldunkel tauchte, zu den populärsten Künstlergestalten seiner Epoche, und die Detektivarbeit geht immer noch weiter - eine Ausstellung im Pariser Grand Palais zieht nun (bis 26. Januar) Zwischenbilanz. Obwohl das Gesamtwerk La Tours größtenteils schon 1638 untergegangen sein dürfte, als sein Wohnort Lunéville im Zwist zwischen dem lothringischen Landesherrn und dem französischen König niederbrannte, reißen die Entdeckungen nicht ab: 7 der 43 jetzt ausgestellten Originale sind in den letzten 25 Jahren neu aufgetaucht - zuletzt, 1993, war es ein tiefdüsterer »Heiliger Johannes in der Wüste«. Und von etlichen verschollenen La-Tour-Werken geben zumindest zeitgenössische Kopien einen Eindruck. Unter acht in Paris gezeigten Versionen eines »Heiligen Sebastian«, den der Maler an König Ludwig XIII. geliefert hatte, wird eine (aus dem Kimbell Art Museum im texanischen Fort Worth) von manchen Kennern sogar für eigenhändig erklärt. Die Vergleichsbeispiele sind beisammen, die Debatte geht weiter.

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