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Der Mörder und sein Opfer

aus DER SPIEGEL 53/1992

Im Dezember 1942 wurde der jüdische Kaufmann Martin Finkelgruen im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet. Der mutmaßliche Mörder - der KZ-Aufseher Anton Malloth - ist bekannt, die Tat ungesühnt wie viele NS-Verbrechen. Malloth, der 1948 von einem Prager Gericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden ist, lebt unbehelligt in einem Münchner Altenheim.

Der Kölner Journalist Peter Finkelgruen, 50, Enkel des Ermordeten, erfuhr 1988 von Überlebenden: »Dieser Malloth hat ihn erschlagen.« Doch so viele Zeugen er seitdem benannte, so viele Hinweise und Beweise er auch beibrachte - die Staatsanwaltschaften ließen sich zu keinerlei neuen Ermittlungen herab. Finkelgruens Buch ist weit mehr als ein Bericht über erfolgreiche Spurensuche und folgenlosen Hader mit Justitia. Es schildert auf eine Weise, die betroffen macht, die Tragödie einer jüdischen Familie, die auf der Flucht vor den Nazis zuerst in Prag untertaucht, wo sie vorübergehend Asyl im »Haus Deutschland« fand, und sodann in das damals von Japanern besetzte Schanghai verschlagen wurde. Finkelgruen beschreibt auch die Rückkehr überlebender Opfer nach Deutschland. Eine Heimkehr war es nicht.

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