Zur Ausgabe
Artikel 84 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

ZEITGESCHICHTE »Der Standort ist eins a«

Ulrich Busch, 42, Immobilien-Projektentwickler, über den Kauf von zwei Blocks der Prora-Anlage auf Rügen, die von den Nazis von 1936 an als Freizeitanlage gebaut worden war
aus DER SPIEGEL 42/2006

SPIEGEL: Herr Busch, warum haben Sie die zwei Prora-Blöcke erworben? Ästhetische Gründe können es ja wohl nicht gewesen sein?

Busch: Das ist richtig. Ich bin auf Rügen seit Jahren tätig und war also schon lange mit der Prora konfrontiert. Ich habe auch gesehen, wie schwer sich Investoren mit diesem Projekt getan haben. Wir fanden, dass man Prora nicht als Ganzes, sondern nur stückweise entwickeln kann. Es werden 540 Einheiten entstehen, die als Dauer-, Ferien- oder altersgerechte Wohnungen genutzt werden können.

SPIEGEL: Prora steht unter Denkmalschutz. Was dürfen Sie überhaupt verändern?

Busch: Hauptsächlich werden wir zur Seeseite Stahlbalkone errichten. Ohne die wären die Wohnungen unverkäuflich. Außerdem gibt es Aufzüge und Wirtschaftsräume.

SPIEGEL: Glauben Sie, dass es genügend Menschen gibt, die in reiner Nazi-Architektur ihre Ferien verbringen möchten?

Busch: Nun, das Objekt liegt an einem der schönsten Strände der Ostsee. Es gibt sicher Käufer, denen der Freizeitwert wichtiger ist als die Architektur. Die Menschen wollen eine Ferienwohnung in guter Lage. Und der Standort ist zweifellos eins a.

SPIEGEL: Können Sie sich vorstellen, was Ihr berühmter Vater Ernst Busch, der linke »Arbeitersänger« und Gegner der Nazis, zu Ihrem Deal gesagt hätte?

Busch: Die Problematik des Nazi-Baus ist mir natürlich bewusst. Ich glaube aber nicht, dass ich etwas tue, das mein Vater missbilligen würde.

SPIEGEL: Was macht Sie da so sicher?

Busch: Weil er bestimmt auch fände, dass man dieses Objekt einer sinnvollen Nutzung zuführen muss. Und das machen wir.

SPIEGEL: Haben Sie gar keine Hemmungen?

Busch: Man kann die Anlage nicht nur vermarkten, man muss sich mit ihr auch auseinandersetzen. Man muss den Menschen, die Prora bewohnen oder auch nur besuchen, die Chance geben, etwas über die Geschichte dieses Baus zu erfahren. Und deshalb werden wir Platz für ein Dokumentationszentrum schaffen.

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 84 / 110
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.