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Desiree Nosbusch als Kannibalin

aus DER SPIEGEL 24/1982

Sie hat, vergebens, auf Entfernung ihrer Nacktszenen geklagt und schon lange tief »bereut, daß ich diesen Film gedreht habe«. Nun aber läuft er, mit allen graulichen Nuditäten, in deutschen Kinos: »Der Fan«, ein Film über den Starkult, mit Desiree Nosbusch, dem properen Teenie aus der artigen ZDF"Musicbox«. Sie spielt, mit gefrorener Mimik, ein 16jähriges Schulmädchen, Simone, das inbrünstig ein Rock-Idol verehrt, »R«, einen bleichen New-Wave-Musikanten, der singt und aussieht wie Frankenstein. Sie schwänzt die Schule, schreibt pausenlos Liebesbriefe, doch erst nach langem Sehnen nimmt der Begehrte die glühende Simone zur Kenntnis und ins Bett. Nachher spricht er tonlos »Du hast mich sehr glücklich gemacht« und will sich geschwind aus dem Staube machen. Da naht der Moment, wo der manierierte Film tatsächlich »Grenzen überschreitet« (Regisseur Eckhardt Schmidt). Simone erschlägt den Treulosen, zerteilt das singende Monster weinend mit der Elektro-Säge und brät sich aus den Schenkeln ein leckeres Steak. Vom armen »R« bleibt schließlich nur ein Häufchen Knochenmehl, vor dem die Kannibalin betend niederkniet. Aber die verzehrende Liebe ist ihr gut bekommen. »Morgen«, so verspricht sie am Ende den ahnungslosen Eltern, »gehe ich wieder zur Schule.«

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