Im Corona-Jahr 2020 So viele Beschwerden wie noch nie beim Deutschen Presserat

Im vergangenen Jahr haben sich mehr Menschen denn je beim Presserat beschwert. Das liegt an Verunsicherung über die Corona-Berichterstattung, aber auch an Massenbeschwerden – wie über eine »taz«-Kolumne.
Medienkritisches Plakat auf einer »Querdenken«-Demo

Medienkritisches Plakat auf einer »Querdenken«-Demo

Foto: Christoph Schmidt / picture alliance/dpa

Beim Deutschen Presserat haben sich seit der Gründung 1956 noch nie so viele Leserinnen und Leser über die Medienberichterstattung beschwert wie im vergangenen Jahr. 4085 Beschwerden und damit fast doppelt so viele wie im Vorjahr (2175) gingen 2020 ein, wie der Presserat als freiwillige Selbstkontrolle der Presse – also von Zeitungen, Zeitschriften und Online-Medien – am Dienstag in seinem Jahresbericht (hier als PDF ) mitteilte.

Das Gremium führt den Anstieg im Corona-Jahr auf mehrere Gründe zurück: Es gab Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln. Prominentes Beispiel war eine polizeikritische Kolumne  in der linken Tageszeitung »taz« im Sommer; sogar Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich in die Debatte darüber eingeschaltet.

Häufig hatte der Presserat zudem mit Beschwerden zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie zu tun. Außerdem erreichten das Gremium auch ungewöhnlich viele Schreiben, für die der Rat nicht zuständig war, wie zum Beispiel Beschwerden über journalistische Beiträge in Fernsehen und Radio.

Der Sprecher des Presserats, Sascha Borowski, schrieb im Bericht: »In der pandemiebedingten Ausnahmesituation wünschten sich Leserinnen und Leser klare und verlässliche Fakten und wandten sich besonders häufig an den Presserat, wenn sie am Wahrheitsgehalt der Berichterstattung zweifelten.«

Die Zahl der ausgesprochenen Rügen stieg auf 53 an, ein deutlicher Anstieg gegenüber 2019, als 34 Rügen ausgesprochen wurden.

hpi/dpa