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»Die Ballade vom Armen Jakob«

aus DER SPIEGEL 36/1987

Soziologe Norbert Elias ("Über den Prozeß der Zivilisation"), nach Jahrzehnten des Vergessens jetzt so etwas wie eine Institution in der Bundesrepublik, hat seine gelehrten Bewunderer überrascht: Zum 90. Geburtstag ließ er Poesie aus rund 60 Jahren drucken. Am bedeutsamsten ist die - an Brecht gemahnende - »Ballade vom Armen Jakob«. In ihr, einem Text für Sprecher und Chor, besang der von den Engländern im Zweiten Weltkrieg internierte Flüchtling aus Nazi-Deutschland für sich und seine Leidensgenossen das ewige Schicksal des Emigranten, das er im Vorwort so umschrieb: »Wenn Machthaber sich gegenseitig bedrohen - es ist immer der Arme Jakob, der geschlagen wird, ob Buddhist, Heide, Christ, Mohammedaner oder der ewige Jude.« Dichtungen und Nachdichtungen von Elias - nach Louis Aragon, T. S. Eliot, William Blake und anderen - vermitteln auch Anklänge an Lyriker wie Benn, Trakl und Rilke, doch Rilkes »Mir zur Feier« hat er nicht paraphrasiert. (Norbert Elias: »Los der Menschen. Gedichte/Nachdichtungen«. Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 104 Seiten; 24 Mark.)

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