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KUNST »Die DDR hatte die besseren Bilder«

Von Hannah Petersohn
aus DER SPIEGEL 37/1997

Kunsthändler Dieter Brusberg, 62, über zwei konkurrierende Ausstellungen in Berlin

SPIEGEL: Die Ausstellung »Deutschlandbilder« im Martin-Gropius-Bau zeigt moderne gesamtdeutsche Kunst. Sie halten im Kulturforum der Grundkreditbank mit DDR-Malerei dagegen. Warum?

Brusberg: Die Kunst aus der DDR kommt im Gropius-Bau zu kurz. Die Vielfalt der Ost-Szene wird bis heute nicht wahrgenommen oder ignoriert. Ich will mit meiner »Ostwind«-Schau beweisen, daß man an Künstlern wie Altenbourg, Heisig, Tübke, Mattheuer und Metzkes nicht vorbeikommt. Sie haben die Nachkriegszeit, die Fragen von Schuld, Angst und Anpassung mit einer Ernsthaftigkeit ausgeleuchtet wie sonst keiner in Deutschland.

SPIEGEL: Drei der Herren standen im Ruf, willfährige Staatskünstler gewesen zu sein.

Brusberg: Zu Unrecht. Auch wenn sie sich dem System anpaßten, war ihnen am Ende nur ihre Kunst wichtig. Das Publikum, aber auch die Politiker nahmen sie sehr ernst.

SPIEGEL: Im Westen sieht manches alt aus.

Brusberg: Schauen Sie sich die alten Bilder von Heisig und Co. an. Sie sind so frisch, als seien sie gestern gepinselt worden. In der DDR entstanden vielleicht die besseren Deutschlandbilder.

SPIEGEL: Zeigt der Gropius-Bau die falschen Werke?

Brusberg: Ich will nicht streiten. Aber vom Ursprungskonzept, Kunst aus beiden deutschen Staaten gegenüberzustellen, ist wenig übriggeblieben. Es hätte beispielsweise Charme gehabt, die fünf besten Baselitz gegen die fünf besten Heisigs zu hängen.

SPIEGEL: Mit welchem Resultat?

Brusberg: Baselitz hätte es schwer.

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