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Theater »Die Fetzen fliegen«

aus DER SPIEGEL 42/1993

SPIEGEL: Stimmt der Prüfungsbericht, stehen Sie einem Institut vor, das immer mehr kostet und von immer weniger Zuschauern besucht wird. Ist das so?

Peymann: Quatsch. Wir werden dem Rechnungshof massiv um die Ohren schlagen, was er manipuliert, verdreht und erfunden hat. In der Burg haben wir eine Platzausnutzung von 80 Prozent. Das ist sensationell. Da kommt doch kaum ein Theater in Deutschland mit.

SPIEGEL: Wie teuer darf Theater sein?

Peymann: Kein Preis ist zu hoch. Wer die Kultur einschränkt oder zerstört, zerstört die Utopie - Theater ist Utopie. Dieser Kultur-Sparbetrieb in Deutschland ist ein barbarischer Akt.

SPIEGEL: Freie Gruppen brauchen viel weniger Geld als Staatsbühnen und machen auch spannende Kunst.

Peymann: Sicher kann man sich ein ärmeres Theater vorstellen. Ich habe im Jahr 400 000 Besucher in 600 Vorstellungen und 25 Stücke im Repertoire. Die freie Gruppe möchte ich mal sehen, die solche Zahlen erreicht. Man kann keinen kleinen Motorradfabrikanten vergleichen mit Mercedes-Benz.

SPIEGEL: Sind solche Riesenapparate nicht einfach nur lähmend?

Peymann: Wenn es die nicht mehr gibt, höre ich sofort auf. Das deutsche Repertoiretheater ist eine kolossale Errungenschaft. In mir finden Sie keinen Prediger des Untergangs.

SPIEGEL: Wie ist dann der Untergang des Berliner Schiller-Theaters zu erklären?

Peymann: Die, die es zuletzt geleitet haben, konnten ihren Beruf einfach nicht.

SPIEGEL: Warum haben Sie es denn nicht gerettet?

Peymann: Weil mich keiner gefragt hat. Für den Regierenden Bürgermeister Diepgen bin ich doch immer noch ein Linksradikaler. Aber eins könnte ich versprechen: Wenn ich in Berlin Theater mache, dann fliegen die Fetzen.

SPIEGEL: Klingt wie eine Bewerbung.

Peymann: Das würde ich sicher nicht über den SPIEGEL machen.

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