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THEATER »Die Freiheit schnuppern«

Roberto Ciulli, 64, ist Gründer und Leiter des Mülheimer Theaters an der Ruhr, das zur Zeit als erste deutsche Bühne seit der iranischen Revolution beim nationalen Festival in Teheran gastiert.
aus DER SPIEGEL 5/1999

SPIEGEL: Es gibt kein Kulturabkommen - wie gelang es ihnen trotzdem, deutschiranische Theaterkontakte zu knüpfen?

Ciulli: Durch Hartnäckigkeit: Das Theater an der Ruhr arbeitet seit langem an dem Projekt, im Jahr 2001 mit einer dreiteiligen Faust-Produktion durch alle Länder an der alten Seidenstraße vom Mittelmeer bis nach China zu reisen. Dazu gehört der Iran.

SPIEGEL: Wie lange verfolgen Sie diese abenteuerliche Idee schon?

Ciulli: In Teheran bin ich vor fünf Jahren zum erstenmal gewesen, und seither öfter. Doch erst 1998 sind die Dinge durch die neue Regierung in Fluß gekommen. Endlich konnten wir mit dem iranischen Kulturministerium einen regelrechten Gastspiel-Austausch-Vertrag schließen.

SPIEGEL: Wer hat die Stücke ausgewählt?

Ciulli: Die Iraner haben, zu meiner Überraschung, unsere Vorschläge ohne Zögern akzeptiert. Dabei hatte ich für Mülheim nichts Opportunes ausgesucht, sondern das erste Stück, das der berühmte Autor und Regisseur Bahram Beyzaie nach 18 Jahren Berufsverbot in Teheran herausbringen durfte. Im letzten Herbst war er mit dieser Aufführung bei uns zu Gast.

SPIEGEL: Sorgen Sie sich nun, ob Sie mit Ihrem anspruchsvollen Tschechow-, Kafka- und Goethe-Programm das Verständnis der Einheimischen finden?

Ciulli: Ich habe in Teheran ein ungeheuer neugieriges und begeisterungsfähiges Theaterpublikum kennengelernt. Beyzaie liebt zu sagen: »Sie schnuppern die Freiheit.«

SPIEGEL: Glauben Sie an eine baldige Lösung im Fall des von einem iranischen Gericht zum Tode verurteilten Deutschen Helmut Hofer?

Ciulli: Ich bin zuversichtlich, daß er vor uns wieder zu Hause sein wird.

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