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VERLAGE »Die haben etwas riskiert«

Romancier Thomas Brussig, 35, über das Ende des Berliner Traditionsverlags »Volk & Welt«
aus DER SPIEGEL 12/2001

SPIEGEL: Überrascht Sie das Aus für Ihren bisherigen Verlag?

Brussig: Und ob. Es ist offenbar eine Entscheidung des Eigentümers Dietrich von Boetticher, den Verlag aufzugeben. Das »Aus« hört sich nach Niederlage an, doch der Verleger Dietrich Simon ist nicht gescheitert.

SPIEGEL: Wie meinen Sie das?

Brussig: Volk & Welt war zwar zu DDR-Zeiten der größte Verlag des Landes. Er hat aber damals keine eigenen Autoren gehabt, sondern Lizenzen im Ausland gekauft. Nach der Wende war diese Exklusivität auf dem gesamtdeutschen Buchmarkt natürlich weg, denn fast jeder Literaturverlag hat auch ausländische Titel im Programm. Daraufhin hat Simon die Verlagsstrategie geändert, als einer der Ersten konsequent deutsche Gegenwartsliteratur und interessante Entdeckungen gemacht.

SPIEGEL: Zum Beispiel Ihren Erfolgsroman »Helden wie wir«.

Brussig: Ich hatte mein Manuskript mehreren Verlagen angeboten. Volk & Welt hat am schnellsten die Chancen des Buches erkannt und mit der Startauflage etwas riskiert. Da war eine Entschlossenheit, die mich überzeugt hat.

SPIEGEL: Dieser Erfolg hat die Verlagsexistenz nicht gesichert.

Brussig: Es wäre vermessen, das zu erwarten. Aber Simon hat auch andere Autoren aufgespürt. Ingo Schramm zum Beispiel wird ganz sicher seinen Weg gehen.

SPIEGEL: Was bedeutet das Ende von Volk & Welt für Sie?

Brussig: Die große Tradition ist längst Geschichte. Und die neuen Impulse von Simon gehen mit dem Ende des Verlags nicht verloren. Einen wie Simon, ich bin sicher, hätten auch andere in der Branche gern: Es hat sich herumgesprochen, dass ein Verlag auch mit deutschen Autoren Geld verdienen kann.

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