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Geschlechter Die Schöne ist das Biest

aus DER SPIEGEL 21/1995

Früher brachte der kleine Unterschied große Klarheit: Hier alle Männer, dort der Frauenfeind. Hier die Lust, dort die Emanze. Hier die Kollegin, dort die Weiber. Hier Mutti, dort Mutti.

Vorbei. Die Fronten im Geschlechterkrieg sind verwischt. Der Charme wird Schrapnell, der Mini zur Mine. Bad is beautiful. Lady, Lug und Larve - Männer blicken nicht mehr durch. Was geschieht?

Erst irritiert den Mann das Girlie, das neue Mädchen in Kampfstiefeln mit Röckchen, Zöpfchen und Köpfchen. Seine Schönheit ist Methode, sein Schick bloß Trick: Boylie, spricht es, bist gut für Platte-Reifen-Heilmachen und »Ich fick' dich, bis der Schwanz blau ist« (Girlie-Sängerin Liz (Un-)Phair). Ansonsten, zur Hölle mit dir, Kerl. Medien-Hype, widersprachen der Stern und Silke und Heike vom feministischen »Girlism«-Kongreß in Stuttgart.

Wäre ja schön gewesen. Aber nun treten auch die älteren Frauen zu. Ihre Kampfstiefel sind Pumps, die Rüstung von Rodier, silbrig glänzt das Auge: Stahl denkt der Kopf. Unter dem Pseudonym Ruth Rothman hat die Geschäftsführerin eines amerikanischen Unternehmens ein Buch herausgebracht (Ullstein Verlag), dessen Titel Programm ist: »Sei ein Biest.« Mit »inquisitorischem Mitgefühl« sollen Männer gezielt niedergestreckt werden, durch Zuhören, Lächeln, Bewundern. Die Schöne ist das Biest.

»Gute Mädchen kommen in den Himmel - böse überall hin« heißt ein anderes, im Trend liegendes Werk (Krüger Verlag), das die Wiesbadener Psychotherapeutin Ute Ehrhardt geschrieben hat. Auch hier wird Raffinesse und Herzlosigkeit wider männliche Konkurrenten im Job gepredigt: Jage, Maria.

Unsere liebe Frau finden liebe Männer so nur noch im Himmel. Das Liebesleben auf Erden wird zum Jammertal.

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