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Die Unterzeichnete im Buen retiro des Professors

aus DER SPIEGEL 43/1976

18 Spalten lang würdigte letzte Woche das »Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel« den Politologie-Professor und Bestseller-Autor Klaus Mehnert ("Jugend im Zeitbruch") anläßlich seines 70. Geburtstages. Die Verfasserin des Artikels, »Welt am Sonn tag«-Redakteurin Ingeborg Brandt, huldigte dem Jubilar mit empfindsamen Erinnerungen an einen Besuch in Mehnerts »Blumenhof« im Schwarzwald. Zitate:

Damals war das große Arbeitszimmer vom Frühsommerlicht wunderbar durchflutet. bevor zur »blauen Stunde« die Eßnische bezogen wurde. Damals strömten in bläulichen, jadegrünen, honighellen Tönen die sanften Farbwellen der Wälder im nahen Kinzigtal durchs große Fenster ...

Damals richtete sich die Unterzeichnete ungehörigerweise, doch völlig unbefangen auf dem Arbeitsstuhl am alten Schreibtisch ein, der voller Bücher und Papiere lag und überließ sich einem sehr unzeitgemäßen Gefühl von Harmonie. Sie glaubte zu begreifen, daß dem ruhelosen, ewig umhergetriebenen Professor sein Buen retiro für seltene Atempausen unentbehrlich ist ...

Damals lag auf dem Schreibtisch ein schimmerndes Gebilde, das sehr antik aussah. Aber es war kein Relikt aus alten Zeiten, sondern eine Erinnerungsgabe der Universität Leiden für den Hausherrn. der ganz in blau, eine Nuance nur gedeckter als pures Himmelblau ("Blau ist meine Farbe"), hinzutrat und erklärte, daß dieses Bildnis der Madonna im metallenen Geviert die Schutzpatronin jener Hochschule als »sedes sapientiae«, als Sitz christlich-abendländisch geprägter Weisheit, darstelle.

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