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NEU IN DEUTSCHLAND Die Wahrheit (Frankreich).

aus DER SPIEGEL 2/1961

Henri Clouzot, unter Frankreichs Regisseuren der prominenteste Nervenzerrer ("Lohn der Angst«, »Die Teuflischen"), begab sich in die Reservate der »Neuen Welle«, um ein speziell französisches Thema abzuhandeln: l'amour-passion. Unter den bürgerlicher Etikette entfremdeten Nachwuchsmenschen des Quartier Latin mausert sich ein zunächst nur lustlos von Fall zu Fall dahinlibertinierendes Mädchen zur großen, vor dem Tod nicht zögernden Liebenden. Clouzot bediente sich freilich einer ausgeleierten Schablone: In die Gerichtsverhandlungen um den Mord der Leidenschaftlichen an ihrem Objekt, einem jungen Musiker, schaltet er unermüdlich Rückblenden ein, die jeweils die Prozeßlage einer Art objektiver Wahrheit konfrontieren. Das Verfahren erweist sich trotz Clouzots Kunstfertigkeit als unzulänglich, die Abbildung der bigotten Verstocktheit des Gerichts wurde zur Karikatur. Es ist, im Gegensatz zur Verleih-Reklame, auch keine »neue« Brigitte Bardot, um die herum der Film arrangiert wurde, obgleich Clouzot, der seine Vedetten mit Ohrfeigen anzuspornen pflegt, mittels Alkohols und Medikamenten Effekte aus ihr erpreßt, die sie bisher nicht vorzeigte. Immerhin gelang es ihm, den Film-Selbstmord der BB - der durch eine vor der Premiere stattgehabte private Selbstmordposse der Hauptdarstellerin und ihres Partners Samy Frey propagiert wurde - als Happy-End wirken zu lassen. (Raoul J. Levy.)

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