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Mopeds Distinguiertes Blubbern

Neue Mofel-Modelle haben Mode gemacht: City Bikes aus Japan und Italien, die in den Kofferraum passen.
aus DER SPIEGEL 32/1972

Der Sprung ist geschafft«. frohlocken die Zweiradfunktionäre, wenn sie von Mofas, Mopeds, Mokicks reden. Sie meinen deren Sprung in den Koffer raum.

Denn nachdem trimmbewußte Kraftfahrer in den letzten Jahren immer mehr Klappfahrräder kauften, wollen ihnen die Hersteller nun ein neues, noch schickeres Zubehör unter die Haube packen: das City- oder Mini-Bike.

Das neue, kleine Kleinkraftgefährt, das mit dem altbackenen »Fahrrad mit Hilfsmotor« à la Velo-Solex nur noch die polizeilichen Bauvorschriften gemein hat, wird in seinen ansehnlicheren Exemplaren vorzugsweise aus Italien und Japan importiert.

Die Konstrukteure und Stylisten dieser neuen Moped-Generation wollten vom Fahrrad-Look nichts mehr wissen; sie magerten statt dessen das klassische Motorrad zum Mini-Easy-Rider ab.

Dieser Stil bestimmt auch die Kundschaft – modische City-Bikes wie Garellis Bonanza Mokick (Neckermann: 948 Mark) mit hochgezogenem Lenker und Renommier-Auspuff werden zumeist von Jugendlichen gefahren; die japanische Honda-Monkey (995 Mark), ein distinguiert blubbernder Viertakter, der seinen Fahrer wie ein rollender Massagestab durchvibriert, freilich auch gern als Gag-Gefährt von fidelen Vierzigjährigen.

Denn die munteren Feuerstühlchen (bis 50 Kubikzentimeter), die eher wie Parodien wirklicher Motorräder wirken, brummeln nicht nur lückenschlüpfrig durch den City-Verkehr: der Anblick eines ausgewachsenen Menschen auf solch einem Mini-Ding stimmt selbst überholte grimme Zwölfzylinder mild.

Die Modelle für mofelnde Mädchen – die Mini-Bikes von Motograziella (770 Mark) und Benelli (895 Mark) – lassen sich mit Einkaufskörben und Packtaschen ausrüsten; in den Kofferraum vermögen aber auch die nur Schwerathletinnen allein zu wuchten – ansonsten gehören dazu zwei.

In Hamburg werden die Benelli-Brummer von Bootsausrüster Hupen-Schede verkauft. »Das kommt«, sagt Chef Schede, »weil sich hier auch viele Jachtbesitzer für diese Dinger interessieren. Die finden das schick und stellen es sich aufs Schiff – als Landbeiboot.

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