Antisemitismus-Eklat auf der Documenta Künstlerkollektiv bittet um Entschuldigung

»Wir bedauern zutiefst«: So beginnt ein Statement der Künstler, deren Werk bei der Ausstellung in Kassel nach schweren Vorwürfen entfernt wurde. Sie bitten darin um Verzeihung.
Blick auf die zunächst verhüllte Figurendarstellung »People's Justice« des Kollektivs Taring Padi

Blick auf die zunächst verhüllte Figurendarstellung »People's Justice« des Kollektivs Taring Padi

Foto: Swen Pförtner / dpa

Sie hätten, schreiben die Künstler, aus ihren Fehlern gelernt: Nach dem Eklat auf der Documenta hat sich das für das Bild »People's Justice« verantwortliche Kollektiv Taring Padi geäußert.

»Wir bedauern zutiefst, in welchem Ausmaß die Bildsprache unserer Arbeit so viele Menschen beleidigt hat. Wir entschuldigen uns bei allen Zuschauer*innen und Mitarbeiter*innen der documenta fifteen, der Öffentlichkeit in Deutschland und insbesondere der jüdischen Gemeinde«, schreibt Taring Padi auf der Website der Documenta .

In dem Statement schreiben die aus Indonesien stammenden Künstler weiter: »Als Kollektiv von Künstler*innen, die Rassismus jeglicher Art verurteilen, sind wir schockiert und traurig über die mediale Berichterstattung, die uns als antisemitisch bezeichnet. Mit Nachdruck möchten wir unseren Respekt für alle Menschen bekräftigen, unabhängig von ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Rasse, Religion, ihrem Geschlecht oder ihrer Sexualität.« Zuvor hatten sie dem SPIEGEL gesagt, die Ereignisse in Kassel und der Umgang damit seien für das Kollektiv »ein Schock«. Und weiter: »Wir sind keine Antisemiten. Wir wissen nicht einmal, wer hier über uns urteilt. Wir lesen es nur in der Zeitung.« (Hier  die ganze Geschichte.)

Das Kunstwerk von Taring Padi hatte in den vergangenen Tagen für einen Skandal und für hitzige Debatten in Kultur und Politik gesorgt. Der Vorwurf: Antisemitismus.

Auf dem entsprechenden Werk, einem 20 Jahre alten Großplakat, sind unter vielen anderen emblemhaften Darstellungen auch antisemitische Motive zu sehen, auf dem schwarzen Hut eines Mannes, der offenbar eine Schläfenlocke trägt, etwa SS-Runen, ein Mann mit Schweinsnase wird als Angehöriger des Mossad ausgewiesen. Bereits am Montag war es verdeckt worden. Nach Kritik hatte die Documenta-Leitung das Werk erst verhüllen lassen, nun wurde es komplett aus der Ausstellung entfernt.

»Wie viele unsere Kunstwerke versucht das Banner, die komplexen Machtverhältnisse aufzudecken, die hinter diesen Ungerechtigkeiten stehen«, schreiben die Künstler nun in ihrem Statement.

Es gehe insbesondere um den Massenmord an mehr als 500.000 Menschen in Indonesien im Jahr 1965, der bis heute nicht aufgearbeitet worden sei. Die verwendete Bildsprache sei jedoch nie »aus Hass gegen eine bestimmte ethnische oder religiöse Gruppe entstanden, sondern als Kritik an Militarismus und staatlicher Gewalt«.

nil/dpa
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