Erneute Antisemitismusvorwürfe Documenta-Expertengremium sieht sich in seiner Arbeit behindert

Als Reaktion auf Antisemitismusvorwürfe gegen die Documenta hatten die Gesellschafter der Kunstschau ein fachwissenschaftliches Gremium eingesetzt. Doch dessen Leiterin kritisiert nun die Verantwortlichen.

Die Vorsitzende des Documenta-Expertengremiums, Nicole Deitelhoff, hat die Leitung der Weltkunstausstellung in Kassel für ihren Umgang mit den erneuten Antisemitismusvorwürfen kritisiert. »Das Gremium war weder über das Überkleben informiert noch über die Entfernung von Werken aus der Ausstellung, sollten diese gezielt entfernt worden sein«, sagte Deitelhoff der »Welt am Sonntag« . Beides sei völlig unangemessen mit Blick auf den Umgang mit der Antisemitismusproblematik in diesen Werken und behindere die Arbeit des Gremiums massiv.

Seit Jahresbeginn kursierten Antisemitismusvorwürfe gegen die Documenta fifteen. Kurz nach der Eröffnung der Ausstellung war ein Banner des indonesischen Kunstkollektivs Taring Padi mit judenfeindlichen Motiven abgebaut worden. Später wurden mehrere Werke als antisemitisch kritisiert, darunter Darstellungen in einer Broschüre, die zwischenzeitlich aus der Ausstellung entfernt wurden.

Zuletzt gab es Empörung über ein weiteres Werk von Taring Padi. Der Bundesvorsitzende des Jungen Forums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Constantin Ganß, hatte in dem Bild »All Mining is Dangerous« antisemitische Stereotype erkannt: vier Personen, die große Mengen Geld in Form von Geldsäcken unter sich aufteilen – eine sei mit langer Nase und hämischem Grinsen abgebildet. Deren Kopfbedeckung sei mit einem schwarzen Stück Klebeband verdeckt worden, ältere Aufnahmen des Werks zeigten aber, sie gleiche einer Kippa.

Das Documenta-Kuratorenkollektiv reagierte schnell auf den neuerlichen Vorwurf und wies darauf hin, es handele sich um eine sogenannte Hadsch-Mütze, die in Indonesien von muslimischen Männern getragen werde. Um Verwechslungen vorzubeugen, hätten die Künstler präventiv selbst die Überarbeitung mit Klebeband vorgenommen.

Angesichts der Antisemitismusvorwürfe hatten die Gesellschafter der Documenta, die Stadt Kassel und das Land Hessen, ein Expertengremium aus sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern benannt, das die Ausstellung in den kommenden Monaten fachwissenschaftlich begleiten soll. Dessen Vorsitzende Deitelhoff ist Leiterin des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

feb/dpa

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