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Dürer: Zweifel an der Akelei

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aus DER SPIEGEL 24/1985

Als Naturbeobachter mit dem Aquarellpinsel ist Albrecht Dürer der unbestritten Größte; der einzige war er auch in seiner Epoche keineswegs. Beides führt eine glanzvolle Wiener Ausstellung vor Augen, in der die Graphische Sammlung Albertina bis 30. Juni ihre einschlägigen Bestände erstmals und verblüffend komplett mit Vergleichsmaterial aus aller Welt zusammenbringt. So läßt sich endlich direkt prüfen, was Dürers »Hasen« mit Kopien und Varianten aus der »Dürer-Renaissance« um 1600 verbindet und was ihn unterscheidet, auch wenn etwa ein Blatt des Nachahmers Hans Hoffmann das Monogramm Dürers und dessen Todes-Jahreszahl trägt. Alte Zuschreibungsfragen werden neu aufgerollt. In dem besonders schönen Katalogbuch (Prestel-Verlag; 78 Mark) schlägt Autor Fritz Koreny sich zu den Zweiflern, die beispielsweise seit Jahrzehnten behaupten, der »Hirschkäfer« sei kein eigenhändiges Werk (wohl aber ein Motiv) Dürers. Von den Pflanzenstudien bleiben nur das »Große Rasenstück« und allenfalls eine »Iris« unangetastet. Der Verdacht gegen so populäre Blätter wie »Akelei« und »Veilchenstrauß« verdichtet sich. Auch nach Dürer-Vorläufern wird geforscht: Den Bildtyp eines toten Vogels scheint der Deutsche vom Italiener Jacopo de' Barbari, der wiederum aus der Antike übernommen zu haben.

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