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Echtes Gelb

Yoko Ono: »Grapefruit«. Bärmeier & Nikel 96 Seiten; 6 Mark.
aus DER SPIEGEL 44/1970

Rät Yoko: »Verbrennt dies Buch, wenn ihr es gelesen habt.« John danach: »Dies ist das größte Buch, das ich je verbrannt habe.«

Ob das mit der Größe so ist, ob die All-Medien-Kunstschaffende Yoko Ono, 37, wirklich als Dichterin unsterblicher Poeme« Theater- und Happening-Stückchen auf die Nachwelt kommen wird, das kann angesichts der deutschen Ausgabe, die übrigens statt »verbrennen« hartnäckig »zerreißen« schreibt, keiner vorhersagen.

Denn hier haben die Schmunzelverleger Bärmeier & Nikel wieder furchtbar zugeschlagen: Aus der Original"Grapefruit« bieten sie nicht mal die Hälfte; sie betiteln das forsch »Texte und Zeichnungen«, obwohl alle Zeichnungen weggefallen sind; aus einem »Buch für moderne Lebenshilfe« wird bei ihnen »ein Buch voller wichtiger Dinge«; die übriggebliebenen Texte sind willkürlich umgruppiert« gekürzt und gelegentlich auch durch Zufügungen verblödet worden. Dem allen ist die Übersetzung kongenial: »Yellow is the only imaginary colour« heißt da »Alle Farben außer Gelb sind echt.«

Daß die Frankfurter Bearbeitungs-Aktivisten ihren Autor Edgar Rice Burroughs auf die Höhe ihres Humors zu ulken suchen, ist ja nicht so arg: An »Tarzan« ist so viel wohl nicht zu verderben. Daß sie Jules Verne zum veralberten Verschnitt vermiesten, war zwar ärgerlich; aber es gibt ja daneben (bei Diogenes) auch eine verläßliche Ausgabe. Daß sich diese Einfallspinsel nun jedoch auch mit der Ono einen Yoko machen, das geht zu weit.

Yoko rät: »Verbrennt dies Buch, bevor ihr es gelesen habt.«

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