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Verlage Ein Retter für Luchterhand?

aus DER SPIEGEL 24/1994

Der Verlag Hanser in München macht ein anspruchsvolles Belletristik-Programm und schafft sogar, es zu verkaufen. 1993 wählten Buchhändler die Firma zum »Verlag des Jahres«, und seit Wochen führen Hanser-Bücher die literarische Bestsellerliste an. Einer, der entscheidenden Anteil an dem Erfolg trägt, will nach 13jähriger Verlagszugehörigkeit jetzt dem Haus Konkurrenz machen. Lektor Christoph Buchwald, 42, wird Anfang 1995 Leiter des Luchterhand Literaturverlags, der früher einmal zu den bedeutendsten Häusern der Branche zählte - mit Autoren wie Günter Graß und Christa Wolf. Die Verlegerinnen Regina Vitali und Elisabeth Raabe standen vor dem Ruin. Besteigt Buchwald ein sinkendes Schiff? »Luchterhand hat einen guten Namen«, sagt er tapfer - Buchwald hatte innerhalb einer Woche das Angebot des neuen Verlagsinhabers Dietrich von Boetticher, 52, eines Münchner Anwalts, angenommen. Von Hanser will er niemanden abwerben, auch nicht dasselbe Programm machen. Was dann? »Ausländische Autoren und Sachbuch - neben der deutschen Literatur.« Also doch ein Hanser-Doppel? Buchwald: »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.« Ob Luchterhand auf diese Weise zu retten ist, bleibt die Frage. Daß Hanser Schaden nehmen könnte, ist nicht auszuschließen.

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