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Kino in Kürze »Eine Couch in New York«.

aus DER SPIEGEL 35/1996

»Schreib mir eine Komödie«, soll Frankreichs Großtalent Juliette Binoche zu Regisseurin Chantal Akerman gesagt haben. Und tatsächlich, die belgische Intellektuelle machte sich brav ans Werk: Aus dem Uralt-Plot vom blinden Wohnungstausch - natürlich zwischen New York und Paris - wollte sie ein romantisches Sommermärchen machen, einen Flirt mit dem Unbekannten, der trotzdem ein bißchen postmodern verfremdet aussieht. Für 20 Minuten hätte das gereicht. Nun aber müssen die Zuschauer fünfmal so lange aufs programmierte Happy-End zwischen den beiden Abziehbildchen vom steifen Kerl und lockerem Girl lauern (Regieanweisung: »Alles ist in fröhlicher weiblicher Unordnung"). Sie müssen William Hurt als Staranalytiker ertragen, der statt liebestrunken leider bloß verschlafen wirkt. Und dann sollen sie die zähen, überkonstruierten Dialoge auch noch witzig finden. Da kann selbst Mademoiselle Binoche nichts mehr retten.

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