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THEATER Eine Jungfrau will es wissen

aus DER SPIEGEL 41/2003

Der Kampf um Palästina dauert schon über hundert Jahre, und ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht. »Aus der Tragödie ist längst eine Farce geworden«, sagt Tuvia Tenenbom, »es geht nicht um Land, es geht um Leiden, beide Seiten verstehen sich als Märtyrer und wünschen sich den Untergang mit Hilfe des anderen.« Tenenbom, 46, bei Tel Aviv geboren und im ultraorthodoxen Milieu aufgewachsen, ist ein jüdischer Häretiker, der sich im Theater austobt. Der Sohn eines Rabbiners gab das Studium von Talmud und Thora auf, ging in die USA und gründete 1994 das Jewish Theater of New York, wo er halb dokumentarische Stücke aufführt, wie die »Liebesbriefe an Adolf Hitler« oder die »Tagebücher von Adolf Eichmann«. Tenenboms letzte Produktion ist eine »Komödie der Irrungen« und spielt irgendwo im Nahen Osten: »Die letzte Jungfrau« treibt den Fundamentalismus ins Absurde, es geht unter anderem um die Frage, ob ein weiblicher Märtyrer damit rechnen kann, im Paradies von 70 kraftstrotzenden und dienstbereiten Männern verwöhnt zu werden, so wie männliche Märtyrer von weiblichen Jungfrauen. Um dies herauszufinden, sprengt sich »Fatima« (Neshe Demir) am Ende des Stücks in die Luft. »Ich stelle nur Fragen«, sagt Tenenbom, »die Antworten kenne ich nicht.« Diese Woche hat »Die letzte Jungfrau« Premiere an den Hamburger Kammerspielen.

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