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FESTSPIELE Eine Woche Wagalaweia

aus DER SPIEGEL 12/2007

Wagner ist Schwerstarbeit - jedes Kunststück ein Koloss. Einer, der sich für diese XXL-Partituren aufschwingt, ist der Intendant, Regisseur und Dirigent Gustav Kuhn, 61. Im Sommer 2005 präsentierte er im Passionsspielhaus des Tiroler Bergdorfs Erl den gigantischen Nibelungen-»Ring« erstmals in einem spleenigen Zeitraffer von (fast pausenlosen) Abend-, Nacht- und Matineevorstellungen. Heuer will er diesen Rekord gar übertreffen und dabei den Erler Spielplan historisch exakt an der Schöpfungsgeschichte der Werke ausrichten - ein künstlerisches und logistisches Novum, meint Kuhn, das »gewissermaßen einen Blick in das Arbeitszimmer des großen Meisters« gestatten soll. Am 6. Juli startet der Dirigent wie gewohnt mit »Rheingold« als Vorabend der »Ring«-Tetralogie. Am nächsten Tag folgen »Walküre« und »Siegfried«, allerdings nur Akt eins und zwei - ganz à la Wagner. Denn der Komponist hatte seinerzeit mitten bei der Niederschrift die Lust an »Siegfried« verloren, verkuppelte stattdessen erst einmal Tristan und Isolde und besang dann auch noch die »Meistersinger von Nürnberg«, bevor er - nach mehr als zehnjähriger Unterbrechung - »Siegfried« zu Ende führte. Diesen Interruptus macht Kuhn nun nach. Er dirigiert »Tristan«, lässt die »Meistersinger« vortragen und reicht zum guten Schluss das »Siegfried«-Finale nach. Feierabend ist dann aber noch lange nicht. Es folgen, jeweils abendüberfüllend, »Götterdämmerung« und »Parsifal« und, um Wagners Sieben-Tage-Woche kollegial abzurunden, noch Sinfonien von Brahms in Extra-Soireen. Ein unermüdlicher Stabführer, dieser Kuhn!

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