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Einsamer Ruf nach Zensur

aus DER SPIEGEL 45/1976

Mit dem 60-Prozent-Wahlsieg der CSU in Bayern sah die Schauspielerin Cordula Trantow die Freiheit schon gekommen: Sie verlangte in einem Brief an den bayrischen Kultusminister Hans Maier als »engagierte CSU-Wählerin« zu wissen, was er »gegen diese offensichtliche Ausbeutung des Steuerzahlers zu kommunistischen Propaganda-Zwecken« durch die Flimm-Inszenierung des Isaak-Babel-Stücks »Marija« am Bayerischen Staatsschauspiel zu tun gedenke. Die Schauspielerin, deren Ehemann, Regie-Star Rudolf Noelte. schon im vorletzten Wahlkampf rechtslastige Wahlaufrufe unterzeichnete, sah in Flimms Regie »die Verfälschung von Babels Schauspiel in eine Verherrlichung der bolschewistischen Machtergreifung«. Frau Trantows rigoroser Zensurwunsch konnte noch nicht erfüllt werden. Kopfschüttelnd schrieben ihr die Betroffenen vom Residenztheater in einem Offenen Brief, was sie von dieser »Denunziation« hielten: »Nur der Ordnung halber: Das Bayerische Staatsschauspiel wird natürlich nicht von der CSU finanziert, sondern immer noch von den bayerischen Steuerzahlern

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