Zur Ausgabe
Artikel 60 / 67
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Emma Thompson Kampf gegen den Selbsthass

aus DER SPIEGEL 26/2022

Sex sollte ein Thema für das öffentliche Gesundheitswesen sein – zu diesem Schluss kommt Emma Thompson, 63, nach dem Dreh ihres Films »Meine Stunden mit Leo«. Darin spielt sie eine pensionierte Lehrerin, die noch nie einen Orgasmus hatte und einen Callboy engagiert, um das zu ändern. Erfüllendere Sexualität, davon ist die britische Schauspielerin überzeugt, würde die Welt insgesamt besser machen. Das sagte Thompson jetzt dem »National Public Radio«. Nicht nur mehr Ver­gnügen wären die Folge, auch weniger sexuelle Gewalt. Heutzutage sei Aufklärung vor allem aufs Technische beschränkt, sagte sie zudem dem »Glamour Magazine«. Sie würde eine emotionale Seite hinzufügen wollen: Es sei wichtig, schon mit Kindern über Sexualität zu sprechen, denn sexuelle Gefühle stellten sich bereits im jungen Alter ein, und die häufige Reaktion der Umgebung darauf sei Scham. Ein wichtiges Mittel gegen Scham wiederum, so Thompson, sei die Akzeptanz des eigenen Körpers. Darin liege auch eine der größten Tragödien im Leben einer Frau: Die Verschwendung von Zeit, Energie, Leidenschaft, weil »wir nicht fähig waren, unseren Körper zu akzeptieren«. Sie wisse, dass das »sehr, sehr schwer« sei, aber man müsse es versuchen. Ihren Nacktauftritt in »Meine Stunden mit Leo« sieht sie als Beitrag dazu. Die Entscheidung, unbekleidet vor die Kamera zu treten, sei ihr schwergefallen. Wer glaube, Berühmtheit bewahre einen vor Selbsthass beim Anblick des eigenen Körpers, der sei naiv und liege völlig falsch.

KS
Zur Ausgabe
Artikel 60 / 67
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.