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»Entfesselte Helden«

aus DER SPIEGEL 6/1996

Die Erfinder des seltsamen deutschen Titels haben vielleicht den Film gar nicht gesehen, denn echte Helden kommen da nicht vor. »Unstrung Heroes« bedeutet etwa: Helden am Rande des Nervenzusammenbruchs. Der Film erzählt (den poetischen Kindheitserinnerungen eines Mannes folgend, der sich Franz Lidz nennt) von einem zwölfjährigen amerikanischen Jungen, 1962 in einem sehr jüdischen Ambiente, dem mehr und mehr Lebensgewißheit abhanden kommt: Seine Mutter stirbt leise an Krebs dahin; sein Vater hält die Leugnung der jüdischen Herkunft für zukunftsweisend; die beiden bewunderten Onkel hingegen, von Holocaust-Paranoia gezeichnete Sonderlinge, suchen in der Rückwendung zu traditioneller Frömmigkeit ihr Heil. Dem ersten Kino-Spielfilm der Schauspielerin Diane Keaton (nach einigen Fernseherfahrungen) hielten manche US-Kritiker vor, daß er das jüdische Ambiente verniedliche, auch der Autor Lidz wollte seine Kindheit in dem Film nicht wiedererkennen. Doch für die Regie-Debütantin spricht die Leichtigkeit und die milde Sentimentalität ihrer Inszenierung.

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