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Gestorben Eric Carle, 91

aus DER SPIEGEL 22/2021
Foto: Richard Drew / dpa

Die Kleinen von heute kennen sie dank ihrer Eltern, die ihrerseits als Kinder begeistert und fasziniert den Weg des Tierchens durch Speisen und Buchseiten verfolgten: »Die kleine Raupe Nimmersatt« erschien 1969 zum ersten Mal, frisst sich seither unaufhörlich und in aller Welt durch Obst, Wurst und Lutscher – und wird am Ende zum Schmetterling. Der Kinderbuchautor und -illustrator Eric Carle, in Syracuse, New York, als Sohn deutscher Einwanderer geboren, wuchs in Deutschland auf, weil seine Mutter es vor Heimweh nicht mehr in den Vereinigten Staaten ausgehalten hatte. Carles Kindheit in Nazideutschland war trostlos, als Hitlerjunge musste er Gräben ausheben. Seine bunten, freundlichen, liebevollen Kinderbücher – er schrieb und illustrierte mehr als 70 – waren auch der lebenslange Versuch, dem etwas entgegenzusetzen. Bevor er mit seinen Kinderbüchern neue ästhetische Maßstäbe setzte, studierte er Kunst in Stuttgart und arbeitete als Grafikdesigner für die »New York Times« – 1952 kehrte er ebenfalls aus Sehnsucht zurück in die USA. 1994 sagte er der »New York Times«: »Die Raupe ist ein Buch der Hoffnung – auch du kannst groß werden und Flügel bekommen.« Diese Botschaft ist angekommen, in 80 Sprachen mit ungefähr 50 Millionen verkauften Exemplaren. Eric Carle starb am 23. Mai in Northampton, Massachusetts.

ks
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