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NEU IN DEUTSCHLAND Erich Maria Remarque: »Der Himmel kennt keine Günstlinge«.

aus DER SPIEGEL 37/1961

Der aus Osnabrück gebürtige 63jährige Romancier - bürgerlicher Name Erich Paul Remark

- ist als Bücherproduzent, je länger der

Erste und der Zweite Weltkrieg der Vergangenheit angehören, zusehends in die Klemme geraten: Thematik und Gefühlsprotest seiner international geläufigen Romane »Im Westen nichts Neues« und »Arc de Triomphe« sind für sein Publikum kaum noch historisch, geschweige als aktueller Anschauungsunterricht von Belang. Wiederum bestand des früheren Remarque einzige Stärke darin, plausibel von typischen Durchschnitts-Existenzen im Sog und Mahlwerk der Kriege und Zeitgreuel zu erzählen, während der heutige Remarque, gentlemanlike resigniert, Außenseiter der modischen Wohlstandswelt und deren private Ausnahmeschicksale mit so viel Stimmungsmalerei schildert, daß die alte Gesinnung wenig effektiv wird. In Remarques jüngstem Buch ist die Hauptfigur eine junge Belgierin ohne Angehörige, die - in Kriegs - und Besatzungsjahren lebensgefährlich erkrankt - in einem Schweizer Sanatorium Heilung sucht. Als sie dahinterkommt, daß sie als aussichtsloser Fall gilt, nutzt sie die Zufallsbekanntschaft mit einem Rennfahrer, läßt sich von ihm nach Paris bringen und verschwendet ihr ererbtes Vermögen. Das deprimierende Ende ihrer Romanze mit dem Rennfahrer,

der tödlich verunglückt, treibt sie zurück ins verhaßte Sanatorium, ausgesöhnt mit ihrem Schicksal, jung sterben zu müssen. (Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 328 Seiten; 16,80 Mark.)

Remarque

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